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Die Quantenversion der Gestaltung

Zeitlose Gestaltung als Übertragung der Unschärferelation am Beispiel der Landschaftsarchitektur

Anita Biedermann

Die Autorin bietet einen Lehransatz für Landschaftsarchitektur. Sie untersucht das zeitlose Muster großer Meister der Gartenkunst und führt das Prinzip der Gestaltung auf quantentheoretische Anordnungen zurück. Diese führen zur Ersetzung der ästhetischen Gestaltungsprinzipien durch das Evolutionsprinzip des Ausgleichs und der Kooperation. Durch Kohärenzbetrachtungen insbesondere der Biologie der Erkenntnis, der bildenden Kunst, der Architektur und der Kreativitätsforschung wird jedes Detailwissen mit der Gesetzmäßigkeit komplexer nichtlinearer Prozesse verbunden. Inmitten des Wandels wird so die Kontinuität zurückgewonnen – ein Denkansatz, der durch seine größere Flexibilität, bemerkenswerte Reichweite und Prägnanz der Gestaltung einen Durchbruch schafft.
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Wie finde ich den Kern meiner eigenen Gestaltung?

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In diesem Kapitel geht es um die Beantwortung der Frage, warum es so schwierig ist, „den Kern der eigenen Arbeit“ zu finden. Diese Redensart, die in den Bereich der Pflanzenmetaphorik fällt, gibt mit ihrem Bildfeld von komplementären Gegensatzpaaren erste Hinweise, worin die Schwierigkeit liegen könnte. Der Kern, oft sehr unscheinbar, aber zugleich Träger der Fortpflanzung, verweist auf ein Evolutionsprinzip/eine Reproduktionstechnik, aus dem heraus neues Leben entsteht. Aus dieser Perspektive betrachtet, repräsentiert der Kern gegenüber seiner Hülse/Schale den wertvolleren Teil. Im Alltag verhält es sich jedoch umgekehrt, wenn wir zum Beispiel Aprikosen essen, dann sind deren Kerne eher lästig und werden achtlos weggeworfen. Niemand kommt dabei auf die Idee, einen Kern als das verborgene Evolutionsprinzip anzusehen, in dem die gesamte Organisationsstruktur eines lebendigen, sehr komplexen, dynamischen Prozesses verborgen ist. Bestenfalls wird der Kern in einen Topf mit Erde gesteckt, um gespannt darauf zu warten, ob sich bald das erste Grün zeigt.

Mit ähnlichen Zusammenhängen haben wir es in der gestalterischen Praxis zu tun, ohne dass sie als solche wahrgenommen werden. Statt auf den Kern richtet sich die Suche nach relevanten Informationen oder organisatorischen Hinweisen – ganz nach dem gewohnten Muster eines Stils – auf die Hülse des Kerns. Kurzfristig gesehen ist dies der einfachere Weg: So ist ein Gartenstil ganz nach dem Maschinenmodell als die Summe seiner Teile beschreibbar und reproduzierbar. Der Kern der eigenen Gestaltung lässt sich damit nicht finden – dazu bedarf es eines...

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