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Die Quantenversion der Gestaltung

Zeitlose Gestaltung als Übertragung der Unschärferelation am Beispiel der Landschaftsarchitektur

Anita Biedermann

Die Autorin bietet einen Lehransatz für Landschaftsarchitektur. Sie untersucht das zeitlose Muster großer Meister der Gartenkunst und führt das Prinzip der Gestaltung auf quantentheoretische Anordnungen zurück. Diese führen zur Ersetzung der ästhetischen Gestaltungsprinzipien durch das Evolutionsprinzip des Ausgleichs und der Kooperation. Durch Kohärenzbetrachtungen insbesondere der Biologie der Erkenntnis, der bildenden Kunst, der Architektur und der Kreativitätsforschung wird jedes Detailwissen mit der Gesetzmäßigkeit komplexer nichtlinearer Prozesse verbunden. Inmitten des Wandels wird so die Kontinuität zurückgewonnen – ein Denkansatz, der durch seine größere Flexibilität, bemerkenswerte Reichweite und Prägnanz der Gestaltung einen Durchbruch schafft.
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Begriffsbestimmung

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1.  Die Übertragung der Unschärferelation

Die Unschärferelation ist ein Begriff, der sich aus Werner Heisenbergs Entdeckung der Unbestimmtheitsrelation ableitet und zusammen mit der Einführung des Komplementärprinzips von Niels Bohr im Frühjahr 1927 zu einem Beschluss geführt hat, der als Kopenhagener Deutung der Quantenphysik bekannt geworden ist. Gegenstand dieses Beschlusses ist eine experimentell erzwungene Neuordnung der Wirklichkeit, die auch für die Geschehnisse außerhalb der Atomphysik für gültig erklärt wurde. Diese Neuordnung führt weit weg von dem bis heute in seiner Allgemeinheit tief verankerten Denkansatz, auf dem unsere Sprache und das Alltagsdenken gründen, das sich weitgehend mit der materialistischen Anschauung der klassischen Physik deckt. Daher ist es verständlich, dass viele Versuche gemacht wurden, die Kopenhagener Deutung der Quantentheorie durch eine andere zu ersetzen, die sich besser mit der Anschauung der klassischen Physik vereinbaren lässt.2

Diese Versuche gehen allerdings an der eigentlichen Fragestellung vorbei, wie generell eine spezielle Entdeckung in der Naturwissenschaft einen Einfluss ← 15 | 16 → auf philosophische Fragestellungen haben kann. Möglich ist dies nur, wenn sich durch diese Entdeckung Fragen sehr allgemeiner Art stellen. Zum Beispiel hatte die Newtonsche Mechanik nicht aufgrund ihrer speziellen Axiome und Ergebnisse Einfluss auf das Denken der folgenden Jahrhunderte. Vielmehr mussten Grundsatzfragen über das Verständnis der Natur neu gestellt werden, wobei der Nachweis erbracht wurde, dass eine mathematische Naturbeschreibung prinzipiell möglich ist.3 Ebenso wenig kann es sich beim Beschluss der Kopenhagener Deutung der...

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