Show Less
Restricted access

Forschungsethik in der Fremdsprachenforschung

Eine systemische Betrachtung

Series:

Britta Viebrock

Auch in der Fremdsprachenforschung hat sich Forschungsethik zu einem wichtigen Thema entwickelt. Dabei geht es mit der Berücksichtigung einer systemischen Perspektive um weit mehr als die Beachtung von Regeln guter wissenschaftlicher Praxis. Wie sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Kontext ihrer Arbeit, aber auch darüber hinaus verhalten sollen, welche ethischen Implikationen methodologische Entscheidungen haben können, was die Auswirkungen einer zunehmenden Formalisierung forschungsethischer Fragen sind und weitere Aspekte werden in diesem Band systematisch und umfassend aufgearbeitet. Die Darstellung beinhaltet theoretische Grundlagen, praktische Anwendungsbezüge, eine Übersicht über formale Regelwerke sowie empirische Ergebnisse einer Befragung von Nachwuchsforschenden in der Disziplin und deren kritische Reflexion.
Show Summary Details
Restricted access

1. Einleitung: Forschungsethik in der Krise (?)

Extract



1.1 Forschungsethik in den Medien und im öffentlichen Diskurs

Nimmt man die mediale Darstellung forschungsethisch relevanter Themen als Gradmesser, ist es sicher gerechtfertigt, derzeit von einer Krise zu sprechen. Insbesondere die Plagiatsvorwürfe gegen zahlreiche Politiker, von denen die Causa Guttenberg wohl die bekannteste ist, haben die Glaubwürdigkeit wissenschaftlichen Arbeitens nachhaltig erschüttert: Karl-Theodor zu Guttenberg war deutscher Verteidigungsminister, als im Februar 2011 der Verdacht aufkam, er habe in seiner 2007 an der Universität Bayreuth abgeschlossenen Doktorarbeit Plagiate begangen. Direkt im Anschluss an die ersten Vorwürfe wurde das Guttenplag Wiki gegründet (http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki). Dabei handelt es sich um eine netzbasierte öffentliche Plattform, auf der sich jeder an der Suche von Plagiatsstellen beteiligen konnte. Unter anderem mithilfe der hier gewonnen Erkenntnisse wurde Karl-Theodor zu Guttenberg der Doktortitel aberkannt. Weitere prominente Politikerinnen, die sich Plagiatsvorwürfen ausgesetzt sahen und deren Arbeiten mithilfe ähnlicher Wikis geprüft wurden, sind Veronica Saß (Mai 2011), Silvana Koch-Mehrin (März 2013) und Annette Schavan (Februar 2013). Allen wurde der Doktortitel aberkannt, Annette Schavan trat daraufhin als Bundesbildungsministerin zurück.

Nun ließe sich argumentieren, dass Politikerinnen und Politiker1 einen akademischen Titel nur als Mittel für andere Zwecke benötigen und sich gegenüber den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis weniger verpflichtet sehen als diejenigen, die tatsächlich eine wissenschaftliche Karriere anstreben. Auch im engeren Kontext der Wissenschaft sind jedoch unzählige Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens bekannt. Keinesfalls handelt es sich dabei um ein neues...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.