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Bewertung und kognitive Wahrnehmung von Realoptionen

Simulationsbasierte und experimentelle Analysen im Kontext der Energiewirtschaft

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Simon Werker

Flexible Kraftwerke können als Realoptionen klassifiziert werden. Die Bewertung mit Verfahren der Optionspreistheorie ist aufgrund struktureller Unterschiede zu Finanzoptionen jedoch nicht unproblematisch. In diesem Zusammenhang greift der Autor zwei Fragestellungen auf. Zunächst analysiert er den Einfluss empirischer Renditeverteilungen auf den Optionswert. Mithilfe von simulationsbasierten Verfahren werden systematische Bewertungsverzerrungen durch die Missachtung von Fat Tails aufgezeigt. Anschließend überträgt der Autor Erkenntnisse der Behavioral Economics auf die Optionsbewertung und untersucht Verzerrungen in der intuitiven Wahrnehmung von Realoptionswerten. Zwei experimentelle Studien belegen irrationale Über- und Unterbewertungen von Realoptionen.
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2. Unternehmerische Flexibilität als Realoption

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2.  Unternehmerische Flexibilität als Realoption

2.1  Analogie zwischen finanzwirtschaftlichen Optionen und unternehmerischen Entscheidungssituationen

Eine Finanzoption ist ein finanzwirtschaftlicher Titel, der dem Inhaber das Recht verbrieft, ein zugrunde liegendes Bezugsgut (z. B. eine Aktie) zu einem festgelegten Zeitpunkt oder während einer bestimmten Frist zu einem vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.23 Das Bezugsgut wird auch als Underlying bezeichnet.24 Unterteilen lassen sich Optionen in Kauf- (Calls) und Verkaufsoptionen (Puts).25 Mit einer Kaufoption erwirbt der Optionsinhaber das Recht, das Underlying vom Stillhalter der Option zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Aufgrund seines Ausübungswahlrechts profitiert der Inhaber damit von steigenden Preisen des Underlyings, während er gegen fallende Preise abgesichert ist. Maximal die Optionsprämie, d.h. den Kaufpreis der Option, hat er als Verlust zu verbuchen. Analog hierzu wird durch eine Verkaufsoption das Recht verbrieft, das Underlying zu einem vorab festgelegten Preis zu verkaufen. Der Inhaber profitiert folglich von fallenden Preisen.

Originär aus der Finanzwirtschaft kommend ist die Betrachtung von Optionen auch außerhalb der Finanzmärkte für zahlreiche Entscheidungssituationen relevant, da sich die Bewertungskonzepte zum Teil übertragen lassen.26 Ursächlich hierfür ist die Analogie bestimmter realwirtschaftlicher Entscheidungssituationen zu finanzwirtschaftlichen Optionen.27 Insbesondere in Situationen, in denen ein Entscheidungsträger über Handlungsflexibilität im Zeitablauf verfügt und die Entscheidung durch Unsicherheit und Irreversibilität geprägt ist, kann eine enge Strukturverwandtschaft festgestellt werden.28 Erstmals durch Myers (1977) wurde in diesem Zusammenhang der heute weitverbreitete Begriff „Realoption...

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