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Von Lenau zu «Laibach»

Beiträge zu einer Kulturgeschichte Mitteleuropas

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Stefan Simonek

Die Beiträge dieses Bandes behandeln unter primär komparatistischer Perspektive Muster kultureller Rezeption und Interaktion in Mitteleuropa mit einem Schwerpunkt auf der Moderne; der Fokus liegt dabei auf der tschechischen, ukrainischen und slowenischen Literatur und deren Kontextualisierung im Rahmen der Donaumonarchie. Mitteleuropa wird als Region ausgewiesen, die um das Jahr 1900 von verschiedenen kulturellen und sprachlichen Codes und von deren spezifischer Engführung geprägt war. Weiter zeigt der Band, dass sich die Verknüpfung dieser Codes in modifizierter Form auch bis in die mittelbare Gegenwart beobachten lässt.
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2.1 Anschreiben gegen den Kanon: Goethe- und Heine-Reskripte der „Moloda Muza“

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2.1  Anschreiben gegen den Kanon: Goethe- und Heine-Reskripte der „Moloda Muza“

Die in diesem Abschnitt angerissenen Überlegungen kreisen um die Frage, auf welche Weise sich Muster kultureller Hierarchien zwischen der klassischen deutschen Literatur und der ukrainischen Moderne in Galizien um 1900 aufzeigen lassen und welche methodologischen literaturwissenschaftlichen Instrumentarien dabei sinnvollerweise zum Einsatz gebracht werden können. Die erwähnten kulturellen Hierarchien manifestieren sich in diesem Kontext einmal über die kulturpolitischen Parameter in Galizien als Kronland der cisleithanischen Hälfte der Donaumonarchie, in dem der ukrainischen Kultur im Vergleich zur polnischen als Emanation der politisch dominierenden Gruppierung lediglich eine subalterne Position zugewiesen war, daneben aber auch im literarischen Rang jener Autoren, die 1907 in Lemberg mit einem von Ostap Luc’kyj verfassten Manifest als Vereinigung der „Jungen Muse“ (also der „Moloda Muza“) hervortraten und von Ivan Franko als zentralem Vertreter der älteren literarischen Generation sogleich heftig angefeindet wurden.

Bei der Frage nach möglichen methodologischen Zugängen zur Thematik wären in einem ersten Schritt sicherlich die theoretischen Ansätze der Intertextualität in ihren verschiedenen Ausformungen zu nennen: So entsprechen die Variationen der „Moloda Muza“ auf hoch kanonisierte Texte von Goethe und Heine (die im Folgenden im Zeichen postkolonialen Zurückschreibens gegen den europäischen Kanon auch als „Reskripte“ bezeichnet werden sollen) zweifelsohne jener Relation zwischen Hypo- und Hypertext, wie sie in Gérard Genettes grundlegender Studie Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe 1982 exemplifiziert wurde; Genette definiert das Phänomen der Hypertextualit...

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