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Von Lenau zu «Laibach»

Beiträge zu einer Kulturgeschichte Mitteleuropas

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Stefan Simonek

Die Beiträge dieses Bandes behandeln unter primär komparatistischer Perspektive Muster kultureller Rezeption und Interaktion in Mitteleuropa mit einem Schwerpunkt auf der Moderne; der Fokus liegt dabei auf der tschechischen, ukrainischen und slowenischen Literatur und deren Kontextualisierung im Rahmen der Donaumonarchie. Mitteleuropa wird als Region ausgewiesen, die um das Jahr 1900 von verschiedenen kulturellen und sprachlichen Codes und von deren spezifischer Engführung geprägt war. Weiter zeigt der Band, dass sich die Verknüpfung dieser Codes in modifizierter Form auch bis in die mittelbare Gegenwart beobachten lässt.
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5.2 Zum Umgang mit dem kakanischen Erbe in der zeitgenössischen ukrainischen Literatur

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5.2  Zum Umgang mit dem kakanischen Erbe in der zeitgenössischen ukrainischen Literatur

Für die zentralen Stimmen der mittlerweile durch zahlreiche Übersetzungen auch im deutschsprachigen Raum gut dokumentierten zeitgenössischen ukrainischen Literatur galt es in der jüngeren Vergangenheit vorrangig, sich mit dem kulturell wie politisch konturierten Erbe der Sowjetunion und der daran gebundenen Sowjetkultur auseinander zu setzen. Diese kulturelle Formation gab sich an ihrer Oberfläche zwar betont multinational, betrieb darunter aber eine zielgerichtete Angleichung der kolonialisierten Kulturen an ein implizit als Vorbild gesetztes, auf diskursive Weise in seinem Anspruch universalisiertes und naturalisiertes russisches Kulturmodell. Die ästhetische und kulturpolitische Reaktion auf diesen Universalisierungsanspruch mündete nun in den verschiedenen Regionen der Ukraine in diverse, intern ausdifferenzierte Textstrategien, über die sich die ukrainischen Autorinnen und Autoren gegenüber dem sowjetischen kulturellen Diskurs positionierten. Insgesamt führte der Untergang der Sowjetunion und der an sie gebundenen literarischen und kulturellen Bedeutungszuschreibungen zu einer weitreichenden Entwertung semantischer Strukturen von Natur und Kultur gleichermaßen. Beide Sphären verloren ihren ursprünglichen Reichtum an Zeichen und ließen einen Zustand der Leere und Ambivalenz zurück. Es war nun genau diese postsowjetische, aufgrund der Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl auch postapokalyptisch gedeutete Konstellation,1 die Kultur wie Natur gleichermaßen als sinnstiftende Instanzen weitestgehend entsorgte und in der Westukraine teilweise zu anderen literarischen Reaktionen führte, als dies im Osten des Landes der Fall war.

Im Westen des Landes, in Galizien also mit dessen mitteleurop...

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