Show Less
Restricted access

Von Lenau zu «Laibach»

Beiträge zu einer Kulturgeschichte Mitteleuropas

Series:

Stefan Simonek

Die Beiträge dieses Bandes behandeln unter primär komparatistischer Perspektive Muster kultureller Rezeption und Interaktion in Mitteleuropa mit einem Schwerpunkt auf der Moderne; der Fokus liegt dabei auf der tschechischen, ukrainischen und slowenischen Literatur und deren Kontextualisierung im Rahmen der Donaumonarchie. Mitteleuropa wird als Region ausgewiesen, die um das Jahr 1900 von verschiedenen kulturellen und sprachlichen Codes und von deren spezifischer Engführung geprägt war. Weiter zeigt der Band, dass sich die Verknüpfung dieser Codes in modifizierter Form auch bis in die mittelbare Gegenwart beobachten lässt.
Show Summary Details
Restricted access

5.3 Dienst am imaginären Vaterland: „Laibachs“ slowanische Hymne

Extract

← 310 | 311 →

5.3  Dienst am imaginären Vaterland: „Laibachs“ slowanische Hymne

Die plurale Aufspaltung des kulturellen Feldes im Zeichen einer globalisierten Version von Popkultur, die nationalkulturelle Paradigmata zunehmend suspendiert, mag mit dafür verantwortlich sein, dass slowenische Kultur außerhalb des Landes in der jüngeren Vergangenheit ungeachtet einer produktiven literarischen Szene mit Autorinnen und Autoren wie etwa Suzana Tratnik oder Drago Jančar primär mit der umstrittenen und höchst kontrovers diskutierten Industrial-Band „Laibach“ in Verbindung gebracht wird.1 Die 1980 in der slowenischen Industriestadt Trbovlje (dessen größtes Wahrzeichen der monströse, über 300 Meter hohe Kamin eines kalorischen Kraftwerks unweit der Stadt darstellt) gegründete Gruppe, deren Anfänge von zahlreichen, bisweilen bewusst provozierten Konflikten mit den jugoslawischen Behörden und einem jahrelangen Auftrittsverbot geprägt waren, kann dabei von ihrem Auftreten, aber auch von ihrem Selbstverständnis nur bedingt als Band im klassischen Sinne dieses Wortes verstanden werden:2 Der für die Pop- und Rockkultur kennzeichnenden Betonung des eigenen Egos der einzelnen Bandmitglieder steht bei „Laibach“ eine diesen Erwartungen zuwiderlaufende und von daher irritierende bewusste Reduktion der jeweiligen individuellen Konturen bis hin zu deren vollständiger Auslöschung gegenüber. Im Zeichen der europäischen (und hier insbesondere der deutschen, russischen und slowenischen) historischen Avantgarde und deren spezifischer Ausformungen wie etwa Futurismus, Konstruktivismus oder Dadaismus und der mit diesen Strömungen verbundenen Manifestkultur verweigern sich die einzelnen Bandmitglieder bewusst jeglicher Individualität und inszenieren sich am (per Zitat eingespielten) Kreuzungspunkt von...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.