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Geschlechtergerechtigkeit unter dem Deckmantel der Leitbildneutralität

Trennungs- und Scheidungsfolgen im Spiegel der Ehe- und Familienförderung

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Hüsniye Saygin

Obwohl das Leitbild der Hausfrauenehe 1977 abgeschafft wurde, wird es noch immer gefördert. Das Buch beschäftigt sich mit der Geschlechterungerechtigkeit, die der vermeintlich freien, jedoch vor dem Recht nicht gleichbehandelten Wahl des Lebensmodells zugrunde liegt. Gerade nach einer Scheidung kann das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau gravierende Folgen haben. Schließlich verweist das Unterhaltsrecht die Ehegatten inzwischen auf ihre Eigenverantwortung, orientiert sich also an dem Modell der Zweiverdiener-Ehe. Welches Leitbild soll man leben, um keine Nachteile zu erleiden? Das deutsche Recht gibt darauf keine Antwort. Ausgehend von dieser Problematik beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, wie der paradoxen Förderung begegnet werden kann, auch um einen Gleichlauf mit dem Scheidungsfolgenrecht zu erzielen.
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A. Einleitung

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I. Problemdarstellung

Das Leitbild der Hausfrauenehe1 wurde mit dem ersten Eherechtsänderungsgesetz zum 01.07.1977 abgeschafft - Oder etwa nicht? Mit der einschneidenden Familienrechtsreform war das Ziel verfolgt worden, die Gleichberechtigung der Geschlechter im Ehe- und Scheidungsfolgenrecht durchzusetzen. Dies sollte unter anderem mithilfe des Verzichts auf das Leitbild der Hausfrauenehe erreicht werden. Nach Ansicht der Reformer konnte dieses Leitbild die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse nicht mehr abbilden, da die Hälfte der verheirateten Frauen berufstätig war und häufig auch nach einer Berufsunterbrechung wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrte.2 Die Förderung der eigenständigen Sicherung der Frau, unabhängig von einem Familienernährer, war seit den 70er Jahren immer wieder auf der politischen Tagesordnung anzutreffen.3 Infolge dieser Entwicklungen könnte vermutet werden, dass die Gleichstellung der Geschlechter im deutschen Familienrecht mittlerweile verwirklicht wurde.

Kaum ein Rechtsgebiet ist so stark vom gesellschaftlichen Wandel geprägt wie das Familienrecht. Seit Bestehen der BRD haben die Lebensverhältnisse von Frauen und Männern eine enorme Veränderung vollzogen. Diese wurde Ende der 70er Jahre auf die Formel „Vom Patriarchat zur Partnerschaft“ gebracht. Dieses Postulat wurde aber nicht so konsequent umgesetzt, wie es anmutete. Je nachdem welche Lebensbereiche und welche Gruppen von Frauen und Männern betrachtet werden, ist ein unterschiedliches Tempo bei der Gleichstellung der Geschlechter zu beobachten. So ist etwa die Integration von kinderlosen Frauen ins Erwerbsleben weit vorangeschritten, bei der Erwerbsbeteiligung von Müttern hinkt Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten aber...

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