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Minderheitenschutz in Ungarn und der Türkei

Eine vergleichende Studie zum Umgang mit Trianon-Trauma und Sèvres-Syndrom

Arndt Künnecke

Dieses Buch vergleicht den Minderheitenschutz in Ungarn und der Türkei. Unter ihren immer autokratischer agierenden Herrschern Viktor Orbán und Recep Tayyip Erdoğan haben sich beide Länder in den vergangenen Jahren immer mehr vom Westen abgewandt und insbesondere Menschenrechte systematisch eingeschränkt. Eng mit der Garantie von Menschenrechten verknüpft ist der Schutz von Minderheiten. Dieser wurde beiden Staaten als Verlierern des Ersten Weltkrieges in den Friedensverträgen von Trianon und Sèvres (später: Lausanne) gegen ihren Willen aufgezwungen. So litt Ungarn unter seinem «Trianon-Trauma» und die Türkei unter ihrem «Sèvres-Syndrom». Der Autor untersucht, wie unterschiedlich beide Länder mit dieser Last umgegangen sind und wie sich der Schutz von Minderheiten auf deren Staatsgebiet seitdem entwickelt hat.
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A. Einleitung

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A.  Einleitung

Im Jahr 2014 wurde in Europa feierlich dem Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren gedacht. In diesem bis dahin umfassendsten und grausamsten Krieg der Geschichte, der durch die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajewo ausgelöst worden war, beteiligten sich weltweit gleich mehrere Dutzend Staaten. An der Seite der Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn kämpfte das Osmanische Reich gegen die Entente um Frankreich, Großbritannien und Russland und deren Alliierte. Insgesamt verloren in diesem weltweiten Krieg Schätzungen zufolge fast 17 Millionen Menschen ihr Leben, davon sieben Millionen Zivilisten. Etwa 20 Millionen Soldaten wurden verwundet.1 Erst mit dem am 11. November 1918 in Kraft getretenen Waffenstillstand und dem daraus resultierenden Kriegsende hatte das Töten ein Ende. Sein formales Ende fand der Erste Weltkrieg aber erst später mit der Unterzeichnung der sog. Pariser Vorortverträge, in denen die Bedingungen des Friedens festgelegt oder, besser gesagt, den Verlierermächten diktiert worden waren.

Der Erste Weltkrieg hatte jedoch nicht nur das Leben von Millionen Menschen ausgelöscht, Millionen von Menschen Opfer von Verwundung, Vertreibung und Verlust werden lassen und bei Abermillionen von Menschen Traumata hinterlassen – er führte auch zu erheblichen Veränderungen der politischen Landkarte. Diese betrafen neben dem kolonialen Afrika und dem Nahen Osten vor allem Europa. So entstanden aus Österreich-Ungarn und dem Russischen Zarenreich die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland, Finnland, die Erste Tschechoslowakische Republik, die Zweite Polnische Republik, Ungarn, Österreich und Sowjetrussland...

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