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Struktur, presse- und wettbewerbsrechtliche Problematik von Anzeigenblättern

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Liane Vollmer-Gärtner

Dieses Buch beleuchtet die Pressegattung Anzeigenblatt erstens als publizistisches Phänomen und Geschäftsmodell auf dem Pressemarkt und zweitens als unlautere Wettbewerbshandlung, die vermeintlich die Pressefreiheit untergräbt. Die Autorin stellt die zentrale Frage, unter welchen Voraussetzungen der Gratisvertrieb von Anzeigenblättern rechtlich unzulässig sein kann und prüft dies aus einer verfassungsrechtlichen Perspektive. Ein Verbot befindet sie nur dann als angemessen, wenn die unentgeltliche Verteilung von Presseerzeugnissen den Pressewettbewerb konkret gefährdet. Dieser Fall tritt ein, falls die Anzahl der Presseerzeugnisse auf dem jeweiligen Zeitungsmarkt abnimmt, ohne dass die Anzeigenblätter denselben Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung erbringen.
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Kapitel 2: Anzeigenblatt und Kaufzeitung – Der Konflikt

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Kapitel 2:  Anzeigenblatt und Kaufzeitung – Der Konflikt

Seit Entstehung der Anzeigenblätter war das Verhältnis zu den Kaufzeitungen nicht frei von Spannungen und Auseinandersetzungen. Die Entstehung der Anzeigenblätter und ihre historischen Konflikte zur Tagespresse sollen dabei in Abschnitt A aufgezeigt werden. Abschnitt B beschäftigt sich anschließend mit der Entwicklung der Gratisblätter im Verhältnis zur Kaufpresse von 1950 bis heute.

A) Die Entwicklung von Anzeigenblättern und ihr Verhältnis zur entgeltlichen Zeitung bis 1949

Als Erfinder der Anzeigenblätter gilt der französische Arzt Theophraste Renaudot. Er eröffnete 1612 ein „Annocenbüro“ („bureau d’adresses et de rencontre“).187 Es sollte ursprünglich als gemeinnützige Jobbörse für Vagabunden dienen. Es entwickelte sich jedoch zu einer Informationsbörse für alle Art von Käufen, Verkäufen, offenen Stellen oder Reiseangelegenheiten.188 Aufgrund der großen Nachfrage gab Theophraste Renaudot ab 1633 die Angebote als „Feuille d’avis“ heraus.189 Die Anzeigenlisten wurden periodisch publiziert und an Interessenten verkauft. Nach diesem Modell entwickelte sich das Intelligenzwesen des 18. Jahrhunderts.190

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