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Ererbte Waffen

Homerische Wörter aus dem Sachbereich ,Kampf und Krieg‘ in den "Argonautika </I>des Apollonios Rhodios

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Christina Serafimidis

Die Autorin untersucht intertextuelle Anspielungen auf die Epen Homers in den Argonautika des hellenistischen Dichters Apollonios Rhodios: Der Sachbereich ‚Kampf und Krieg‘ ist für Homer vor allem innerhalb der Ilias typisch und stellt ein wesentliches Kriterium für die Charakterisierung der Heldenfiguren dar. Die Argonautika enthalten kaum Schlachtszenen, adaptieren aber homerisches Vokabular aus dem kriegerischen Kontext in großem Umfang. Die Autorin analysiert anhand vergleichender Wortuntersuchungen Apollonios’ Imitations- und Variationstechnik für diesen Bereich. Sie zeigt im Detail, wie das Vokabular aus konventioneller Verwendung gelöst und in neue Kontexte sowie auf andere narrative Ebenen verschoben wird, und interpretiert die Ergebnisse im Hinblick auf das Heldenbild der Argonautika.
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f. Bogen und Pfeile

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Die Junktur ξίφος ἀμφ’ ὤμοις (3, 1282) in der Beschreibung des zum Athlos aufbrechenden Jason ist homerisch, z.B. ἀμφὶ δ’ ἄρ’ ὤμοισιν βάλετο ξίφος (fünfmal, z.B. B 45), ἀμφ’ ὤμοισι θέτο ξίφος (θ 416), bei Apollonios allerdings elliptisch, d.h. ohne das Verb, das das Anlegen oder Tragen des Schwertes bezeichnet.

Auch das Ziehen des Schwertes in 3, 1381 ist verkürzt ausgedrückt: γυμνὸν δ’ ἐκ κολεοῖο φέρεν ξίφος.476 Der Ausdruck ἐκ κολεοῖο kommt bei Homer zweimal vor, jeweils aber als Ergänzung zu einem Verb mit der Bedeutung ‚ziehen‘, z.B.: εἵλκετο δ’ ἐκ κολεοῖο μέγα ξίφος (A 194), ἐκ κολεοῖο ἐρυσσάμενος ξίφος ὀξύ (M 190).477 Mit φέρω sind ξίφος und κολεός bei Homer zweimal verbunden, allerdings mit anderem Sinn: dort wird die Übergabe eines Schwertes als Geschenk beschrieben: δῶκε ξίφος […] / σὺν κολεῶι τε φέρων (H 303–4, s. auch Ψ 824–25).

Ebenso elliptisch formuliert ist 4, 1055–56, wo die Argonauten ihre Waffen schwingen: σεῖον δ’ ἐγχείας εὐήκεας ἐν παλάμῃσιν / φάσγανά τ’ ἐκ κολεῶν. Der Ausdruck ἐκ κολεῶν ist im Plural ohne Vorbild (vgl. 2, 101), ebenso die Junktur mit ← 118 | 119 → φάσγανον.478 Das Verb σείω kommt bei Homer nicht in Verbindung mit Schwertern vor und hat auch in 4, 1055 vor allem die Lanzen als Objekt bei sich.479

Nach homerischem Vorbild gestaltet ist wiederum die Abfahrtsszene im 4. Buch, wo Jason sein Schwert zieht und damit die Haltetaue des Schiffes durchschlägt: Ὁ δὲ ξίφος ἐκ κολεοῖο / σπασσάμενος πρυμναῖα νεὼς ἀπὸ πείσματ’ ἔκοψεν (4, 207–8). Prätext ist der Bericht des Odysseus von der überstürzten Abfahrt auf der Flucht vor den Laistryngonen in der Odyssee: ἐγὼ ξίφος ὀξὺ ἐρυσσάμενος παρὰ μηροῦ / τῷ ἀπὸ πείσματ’ ἔκοψα νεὸς κυανοπρῴροιο (κ 126–27).480 Weitere sprachliche Parallelen sind: ἐκ κολεοῖο ἐρυσσάμενος ξίφος ὀξύ (M 190), σπασσάμενος τανύηκες ἄορ παχέος […] ἀπέκοψε (Π 473–74). Das Verb σπάω hat bei Homer jedoch nicht ξίφος als Objekt bei sich, sondern nur...

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