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Ererbte Waffen

Homerische Wörter aus dem Sachbereich ,Kampf und Krieg‘ in den "Argonautika </I>des Apollonios Rhodios

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Christina Serafimidis

Die Autorin untersucht intertextuelle Anspielungen auf die Epen Homers in den Argonautika des hellenistischen Dichters Apollonios Rhodios: Der Sachbereich ‚Kampf und Krieg‘ ist für Homer vor allem innerhalb der Ilias typisch und stellt ein wesentliches Kriterium für die Charakterisierung der Heldenfiguren dar. Die Argonautika enthalten kaum Schlachtszenen, adaptieren aber homerisches Vokabular aus dem kriegerischen Kontext in großem Umfang. Die Autorin analysiert anhand vergleichender Wortuntersuchungen Apollonios’ Imitations- und Variationstechnik für diesen Bereich. Sie zeigt im Detail, wie das Vokabular aus konventioneller Verwendung gelöst und in neue Kontexte sowie auf andere narrative Ebenen verschoben wird, und interpretiert die Ergebnisse im Hinblick auf das Heldenbild der Argonautika.
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p. Die Hylas-Suche

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Eine wesentliche Rolle spielen homerische Schallwörter, besonders solche, die für menschliches Geschrei verwendet werden, in der Hylas-Episode im ersten Buch der Argonautika.1019

Als Hylas, der junge Begleiter des Herakles, von einer Quellnymphe entführt wird, hört Polyphemos ihn schreien: ἰάχοντος (1, 1240). Davon berichtet er wenige Verse später dem Herakles: ἐγὼ δ’ ἰάχοντος ἄκουσα (1, 1260). Vorbild ist vielleicht eine Stelle in der Ilias, an der Menelaos in der Schlacht das Schreien des verwundeten Odysseus hört: τρὶς δ’ ἄϊεν ἰάχοντος ἄρηΐφιλος Μενέλαος (Λ 463).1020

Polyphemos stürzt nach dem Schrei des Hylas zur Quelle und wird dabei in einem Gleichnis mit einem Raubtier verglichen, das rasend vor Hunger vergeblich eine in Ställen eingeschlossene Herde zu erreichen versucht (1, 1243–47). Dabei entspricht der Hilferuf des Hylas dem Blöcken der Schafe (γῆρυς)1021 und der in 1, 1249 folgende Schrei des Polyphemos dem Brüllen des Löwen (στενάχων βρέμει).1022 Reitz nennt als mögliche Prätexte zwei Löwen-Gleichnisse aus Kampfszenen der Ilias: In Λ 548–55 ← 249 | 250 → wird der vor den Troern weichende Aias mit einem Löwen verglichen, der hungrig versucht, Rinder zu rauben, aber von den Hirten vertrieben wird. In Σ 161–62 wird Hektor beim Kampf um die Leiche des Patroklos mit einem Löwen verglichen, den die Hirten nicht vertreiben können.1023 Während aber die räuberische Gier eines Löwen bei Homer mit der Gier nach Kampf und Beute in der Schlacht korrespondiert, hat sie bei der Hylas-Suche keine Entsprechung dieser Art.1024...

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