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Die Freie Wohlfahrtspflege als politischer Akteur im modernen Sozialstaat

Ein Beitrag zum Wandel der Inkorporierung von Wohlfahrtsverbänden in die staatliche Sozialpolitik

Sebastian Vaske

Das Buch thematisiert die neuen Anforderungen, denen die wechselseitige Interaktion von Wohlfahrtsverbandswesen, Sozialverwaltung und Sozialpolitik(-ern) ausgesetzt ist. Infolge gesellschaftlicher und politischer Veränderungen zeigt sich seit Mitte der 1990er Jahre ein Wandel innerhalb der wohlfahrtsverbandlichen Funktionen. In einer qualitativen Policy-Analyse untersucht der Autor für die Sozialverwaltung und einen Wohlfahrtsverband eines Bundeslandes exemplarisch, wie die beiden sozialen Akteure aktuell miteinander interagieren, wie sich ihr Verhalten in jüngerer Vergangenheit verändert hat und welche (innerverbandlichen) funktionalen Wechselwirkungen dabei entstanden sind. Er kann feststellen, dass die Wohlfahrtsverbände weiterhin als protagonistische Akteure in der sozialpolitischen Interessenvermittlung auftreten und legt ihre Bemühungen dar, der Neuordnung der Beziehung zum Staat Rechnung zu tragen, um auch in Zukunft eine starke sozialpolitische Lobbyarbeit zu praktizieren.
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III. Hauptteil

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III.  Hauptteil

Kapitel A:  Verbände in modernen Demokratien

Auch im politischen System Deutschland, welches zu den modernen Demokratien unserer Zeit gezählt werden kann, tragen Interessengruppen und Verbände eine zentrale Rolle im „Policy-Prozess“ – dabei fungieren sie sowohl als Umsetzer bei der praktischen Durchführung von staatlicher Gesetzgebung wie auch als Akteur der Gesetzgebungsproduktion11. Ob diese doppelte Funktion nun gut für die Gesellschaft und die staatlichen Akteure ist oder aber eher kontraproduktive Ergebnisse hervorbringt, ist in der Literatur umstritten (vgl.: Traxler 1988). Die Gründe für diesen Dissens sind vielschichtig. So sind in der Literatur zahlreiche Theorieansätze zu finden, welche unterschiedliche Erklärungen abgeben. Fritz Scharpf diskutiert beispielsweise den kausalen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Gruppen und staatlichem Handeln demokratietheoretisch (vgl.: u. a. Scharpf 2005 u. 2006) und unterscheidet so den Wirkungsgrad von Verbänden einfluss- und steuerungstheoretisch. Darüber hinaus kann festgehalten werden, dass alle an der Diskussion partizipierten Professionen, mit ihren unterschiedlichen Erklärungsmustern, weitere Sichtweisen und Erkenntnisse einbringen. So manifestiert die politische Soziologie, dass staatliches Handeln und gesellschaftliche Gruppen ein essenzielles Tandem bilden (vgl.: Zimmer / Weßels 2001), während die politische Ökonomie eher unvorteilhafte Einflüsse und Rückkoppelungen erkennt (vgl.: Olson 1992). Grundlegend zeigen alle Theorieansätze und deren Vertreter, dass eine neutrale, also ideologiefreie, Debatte bezüglich des Wirkungszusammenhangs von Staat und Verbänden nicht geführt werden kann. Die Summe der (Aus-) Wirkungen ist schlichtweg nicht quantifizierbar; der Versuch einer Qualifizierung muss...

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