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Kathedrale – Kunstgeschichte – Kulturwissenschaft

Ansätze zu einer produktiven Problemgeschichte architekturhistorischer Deutungen

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Christian Nille

Das Buch stellt erstmals die architekturhistorischen Deutungen der mittelalterlichen Kathedrale zusammen, welche die Forschung in den letzten rund 150 Jahren erarbeitet hat. Diese Deutungen verortet und diskutiert der Autor im Kontext der allgemeinen Kunstgeschichte sowie der Kulturwissenschaft. Ziel ist es, zentrale Forschungsprobleme und deren Lösungen aus den einzelnen Bereichen herauszuarbeiten und für die anderen Bereiche zu nutzen. Diese produktive Problemgeschichte geht zunächst wissenschaftsgeschichtlich vor, um die Ergebnisse dann für die aktuelle Forschung produktiv zu machen. Der Leser erfährt somit, wo die Forschung steht, auf welchen Traditionen sie beruht, welche Alternativen dazu existieren und wie sich einzelne Problemlösungen sinnvoll kombinieren lassen.
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l) Mittelalter und Moderne

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Ich komme nun zum Verhältnis von Mittelalter und Moderne:664 Ein Aspekt dieser Problemgeschichte lässt sich sehr gut an der Auseinandersetzung von Oexle mit Luhmann beziehungsweise dessen Mittelalterdeutung zeigen.665 Oexle bemängelt an Luhmanns Darstellung zwei Punkte. Erstens findet eine strikte Gegenüberstellung von Mittelalter und Moderne in dem Sinn statt, dass beispielsweise ein „‚Übergang von primär stratifikatorischer zu primär funktionaler Differenzierung‘“ erfolgt, dass eine „Genese der Moderne [stattfindet], insofern sie sich vom Mittelalter absetzt mit der Eröffnung des Gegensatzes zwischen Individuum und Gesellschaft.“666 Zweitens wird die fehlende Historisierung des angewandten Deutungsmusters kritisiert:

„Aber steht der wissenssoziologische Beobachter denn wirklich außerhalb der Geschichte: steht er (a) außerhalb der Prozesse, die er beschreibt? Und kann er (b) wirklich davon ausgehen, daß seine Kategorien, daß seine Semantik frei sind von geschichtlicher Gewordenheit, frei von geschichtlicher Bedingtheit?“667

Später wird festgestellt: „Die Historisierung seiner eigenen funktionalistischen Theorie hat er jedoch vermieden.“668

Luhmann antwortet darauf mit der Bemerkung, die wissenschaftliche Objektivität schließe die „Reflexion ihres eigenen historischen und gesellschaftlichen Standorts nicht aus, sondern ein.“669 Man könnte meinen, dass zumindest der Sache nach Einigkeit bestehe, doch berücksichtigt Luhmann den eigenen historischen Standort nicht weiter, was deutlich wird, wenn er meint: „[G]erade wenn eine soziologische Theorie universelle Geltung für alles Soziale beansprucht, muß sie sich selbst einschließen, sich selbst in ihrem eigenen Objektbereich vorfinden.“670 Hier ist nur von einer...

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