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Kathedrale – Kunstgeschichte – Kulturwissenschaft

Ansätze zu einer produktiven Problemgeschichte architekturhistorischer Deutungen

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Christian Nille

Das Buch stellt erstmals die architekturhistorischen Deutungen der mittelalterlichen Kathedrale zusammen, welche die Forschung in den letzten rund 150 Jahren erarbeitet hat. Diese Deutungen verortet und diskutiert der Autor im Kontext der allgemeinen Kunstgeschichte sowie der Kulturwissenschaft. Ziel ist es, zentrale Forschungsprobleme und deren Lösungen aus den einzelnen Bereichen herauszuarbeiten und für die anderen Bereiche zu nutzen. Diese produktive Problemgeschichte geht zunächst wissenschaftsgeschichtlich vor, um die Ergebnisse dann für die aktuelle Forschung produktiv zu machen. Der Leser erfährt somit, wo die Forschung steht, auf welchen Traditionen sie beruht, welche Alternativen dazu existieren und wie sich einzelne Problemlösungen sinnvoll kombinieren lassen.
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e) Potential der manifestatio

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Inwiefern hilft also die manifestatio, „das Erscheinungsbild der klassischen, hochgotischen Architektur zu verstehen“, oder wie ist „eine vollkommene und endgültige Lösung“ der gotischen Kathedrale zu verstehen, die es realiter nicht gibt? Wie gezeigt, geht es Panofsky um die zeittypischen Wahrnehmungs- und Gestaltungsmuster, die als Denkgewohnheiten herausgestellt werden und denen an verschiedensten Arten von historischem Material nachgegangen wird. Die ideale Kathedrale ist also zunächst eine heuristische Größe, die zugleich der Logik der manifestatio entstammt und damit historische Relevanz bekommt. Es ist nicht die ideale Kathedrale, die die Stilkritik ahistorisch als Höhepunkt herausstellt – man denke an die „klassische Kathedrale“ –, sondern eine methodisch durch die Korrektiva historisch verankerte, die sich nicht namentlich benennen lässt, sondern je nachdem, auf welchen Aspekt der manifestatio hin man ein konkretes Gebäude befragt, unterschiedlich beschaffen ist. Das dazu methodisch notwendige Verfahren der Parallelisierung stellt einen ersten Schritt und nicht das Ergebnis dar, wie die Kritik der Kritik von Kimpel/Suckale gezeigt hat, da die Größe der Schule als Vermittlungsinstanz mit eingerechnet werden muss, über die die Wahrnehmungs- und Gestaltungsmuster verbreitet werden.

In eine der Forschungspraxis nähere Reihenfolge gebracht und unter Berücksichtigung der theoretisch-methodischen Ausführungen im letzten Kapitel, lässt sich die manifestatio folgendermaßen verorten: Betrachtet man den Aufbau einer gotischen Kathedrale, so stellt man – wie etwa von Simson – Merkmale fest, die sich als Klarheit, logischer Aufbau des Ganzen usw. beschreiben lassen. Da wir aber nicht sicher sein können, ob unsere Wahrnehmung mit...

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