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Kathedrale – Kunstgeschichte – Kulturwissenschaft

Ansätze zu einer produktiven Problemgeschichte architekturhistorischer Deutungen

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Christian Nille

Das Buch stellt erstmals die architekturhistorischen Deutungen der mittelalterlichen Kathedrale zusammen, welche die Forschung in den letzten rund 150 Jahren erarbeitet hat. Diese Deutungen verortet und diskutiert der Autor im Kontext der allgemeinen Kunstgeschichte sowie der Kulturwissenschaft. Ziel ist es, zentrale Forschungsprobleme und deren Lösungen aus den einzelnen Bereichen herauszuarbeiten und für die anderen Bereiche zu nutzen. Diese produktive Problemgeschichte geht zunächst wissenschaftsgeschichtlich vor, um die Ergebnisse dann für die aktuelle Forschung produktiv zu machen. Der Leser erfährt somit, wo die Forschung steht, auf welchen Traditionen sie beruht, welche Alternativen dazu existieren und wie sich einzelne Problemlösungen sinnvoll kombinieren lassen.
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4 Bau und Funktion: Arbeiten zur gotischen Kathedrale (ab 1970)

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Die Betrachtung von kunsthistorischen Arbeiten zur gotischen Kathedrale wird nun fortgesetzt, indem der Zeitraum nach der älteren Kunstgeschichte bis hin zur Gegenwart thematisiert wird. Es geht dabei um eine Grundkategorie, die sich bei Albrecht, jedoch nicht in den älteren Positionen findet: die Funktion des Baus. Zunächst wird allgemein herausgestellt, wie Funktion in Bezug auf ein (Kunst)Werk zu verstehen ist (4.1). Daraufhin werden Warnkes Ausführungen zur politischen Funktion verhandelt (4.2), um abschließend dem Verhältnis von Stil und Funktion nachzugehen (4.3).

4.1 Zur Funktion allgemein

Um einer Verwechslung vorzubeugen, gilt es sogleich darauf hinzuweisen, dass „Funktion“ hier nicht als „solution of statical problems“ zu verstehen ist, wie es noch bei von Simson heißt.1457 Eine grobe Definition des Begriffs, wie sie Busch gibt, mag genügen. Er versteht Funktion als: „die einem Teil eines Ganzen zugewiesene oder zugehörige Aufgabe.“1458 Die hier als „Ganzes“ herausgestellte Größe kann man auch als „soziales System“ beschreiben, um die Nähe zur sozialen Wirklichkeit zu verdeutlichen, worin der große Unterschied zur älteren Kunstgeschichte besteht.1459 Frey spricht in diesem Sinne von „Lebensfunktion“, um die „soziale Funktion“ zu ← 419 | 420 → charakterisieren.1460 Wichtig für die (historische) Betrachtung ist es, dass man einen „dynamischen Funktionsbegriff“ verwendet, denn: Die „Funktionsformen […] sind nicht feststehend, sondern beständigem Wandel unterworfen.“1461

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