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Umstrittene Religionsfreiheit

Zur Diskussion um ein Menschenrecht

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Edited By Thomas Brose and Philipp W. Hildmann

Der Titel «Umstrittene Religionsfreiheit» ist Programm. Denn angesichts der Bedrohung des elementaren Menschenrechts erscheint eine interdisziplinär angelegte Diskussion um Kontur, Reichweite und Geltungsanspruch der Trias von Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit heute unbedingt geboten.
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Über das Spannungsverhältnis von Religion und Gewalt

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Bischof Franz-Josef Overbeck

Am 29. Juni 2014 rief Abu Bakr al-Baghdadi den „Islamischen Staat“ (IS) aus, der aktuell das nördliche Territorium des Iraks und Syriens umfasst, und ernannte sich selbst zum „Kalifen“. Der Kalif gilt als der Stellvertreter des Gesandten Gottes und damit als politischer und religiöser Führer aller Muslime. Der Inthronisierung vorausgegangen waren massive Gebietsgewinne der IS-Milizen in den sunnitisch dominierten Gebieten im Norden und Westen des Iraks bis kurz vor Bagdad und der von den Kurden eroberten Stadt Kirkuk. In der zweiten Jahreshälfte hat sich der Vormarsch verlangsamt und die Zahl der Gegner (z. B. die Kurden, die irakische Armee, der Iran und die von den USA angeführte internationale Allianz) sowie die Intensität des Widerstands, mit dem sich der IS konfrontiert sieht, haben erheblich zugenommen.

Die Ereignisse im Irak und Syrien sind vor allem aufgrund der grausamen Methoden ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit gerückt, mit denen der IS zum einen Angst und Schrecken unter den diversen Bevölkerungsgruppen in den beiden Staaten verbreitet und gleichzeitig um neue Rekruten – auch in der westlichen Welt – wirbt. Neben der Verschleppung von Frauen und Kindern, Zwangskonvertierungen und der massenhaften Ermordung von Zivilisten steht vor allem das Verhalten gegenüber den ethnischen und religiösen Minderheiten im Fokus des internationalen Interesses. Amnesty International (AI) betitelte einen seiner Berichte aus der Region mit dem Befund, dass im Nordirak „ethnische Säuberungen von historischem Ausmaß“1 stattfinden. Betroffen sind assyrische Christen, turkmenische...

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