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Umstrittene Religionsfreiheit

Zur Diskussion um ein Menschenrecht

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Edited By Thomas Brose and Philipp W. Hildmann

Der Titel «Umstrittene Religionsfreiheit» ist Programm. Denn angesichts der Bedrohung des elementaren Menschenrechts erscheint eine interdisziplinär angelegte Diskussion um Kontur, Reichweite und Geltungsanspruch der Trias von Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit heute unbedingt geboten.
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Warum ich nicht Charlie bin

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Tomáš Halík

Die Mordtaten vom 8. Januar 2015 in Frankreich zwingen zum Nachdenken über viele Sachen, über die – nachdem die Wellen der Emotionen sich gelegt haben – eine ernste Debatte geführt werden sollte. Ja, wir haben es schon hundertmal gehört und wohl alle sind wir uns darin einig: Akte der Gewalt und Gehässigkeit, welcher Art auch immer, sind strengstens zu verurteilen, diese Morde lassen sich durch nichts rechtfertigen. Vor dem sich „Islamischer Staat“ nennenden Kraken und dessen Fangarmen in Gestalt terroristischer Kampfgruppen darf man keinen Schritt weichen. Zugleich sind aber jene Menschen zu schätzen, die in den gegenwärtigen aufgewühlten Umständen in der Lage sind, kühlen Kopf zu behalten und zwischen dem Islam und den die Symbole und die Rhetorik des Islam missbrauchenden Islamisten zu unterscheiden; zu schätzen sind jene, die imstande sind „nein“ zu sagen nicht nur dem Terrorismus gegenüber, sondern auch den Populisten, die aus Angst vor dem Islam politische Punkte gewinnen wollen und pogromartige Stimmungen gegen Minoritäten und Immigranten schüren.

Was mich jedoch verlegen und stutzig macht, ist die Bemühung, die unglücklichen Opfer aus der Redaktion der Pariser satirischen Zeitschrift als Helden und Symbole „unserer Kultur“ hervorzuheben und zu feiern. Falls Präsident Hollande die Redakteure der Zeitschrift Charlie Hebdo „unsere Helden“ nennt, kommt damit, fürchte ich, die Seichtheit und Leere nicht nur dieses Politikers ans Licht, sondern auch der durch ihn repräsentierten politischen Kultur.

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