Show Less
Restricted access

Transgressionen im Spiegel der Übersetzung

Festschrift zum 70. Geburtstag von Prof. Maria Krysztofiak-Kaszyńska

Series:

Edited By Beate Sommerfeld, Karolina Kęsicka, Małgorzata Korycińska-Wegner and Anna Fimiak-Chwiłkowska

Die Beiträge des Bandes nähern sich dem Phänomen der Transgression im Kontext translatologischer Fragestellungen. Transgressionen werden dabei in mehrfacher Weise konzeptualisiert: als Transzendieren von Kultur- und Wissensgrenzen und Neuverhandlung kultureller Räume, als Ausreizen ästhetischer Normen, Überschreiten von Identitäten, aber auch als Grenzgänge zwischen den Gattungen und Medien. Transgressive Dimensionen werden in der Übersetzung von Dramen (Čechov, Witkacy, Corneille), Lyrik (Leśmian, Różewicz, Mayröcker) sowie in Prosatexten (Twardoch, Wagner) aufgedeckt. Medialen Grenzüberschreitungen wird in Werbetexten und in der Audiodeskription von Filmen und Gemälden nachgegangen.
Show Summary Details
Restricted access

Beate Sommerfeld - „Ich denke in langsamen Blitzen …“ - Lyrikübersetzung als emergenter Vorgang am Beispiel des Gedichts 5. Brandenburgisches Konzert von Friederike Mayröcker und seiner polnischen Übersetzung von Ryszard Wojnakowski

Extract

| 187 →

Beate Sommerfeld, Poznań

„Ich denke in langsamen Blitzen …“ - Lyrikübersetzung als emergenter Vorgang am Beispiel des Gedichts 5. Brandenburgisches Konzert von Friederike Mayröcker und seiner polnischen Übersetzung von Ryszard Wojnakowski

Poetry is what gets lost in translation

(Robert Frost)

1. Das Emergenz-Konzept Wolgang Isers und seine Relevanz für die Übersetzung lyrischer Texte

In seinen von Alexander Schmitz veröffentlichten nachgelassenen Schriften und Fragmenten entwickelt Wolfgang Iser (2013) sein Emergenz-Konzept, dessen Reichweite und Virulenz noch nicht abzusehen ist. In Anlehnung an die bisherigen Auffassungen von John Stuart Mill bis C.D. Broad umschreibt Iser Emergenzphänomene als Vorgänge von Transgressionen, bei denen aus dem Zusammenwirken von Einzelelementen etwas qualitativ Neues hervorspringt, dessen Eigenschaften weder auf die einzelnen Komponenten rückführbar noch von diesen ableitbar sind (Iser 2013, 36). Aus emergenten Vorgängen ergibt sich eine rückläufige Kausalität, die besagt, dass die aus dem Zusammenspiel hervorgegangenen Ordnungen wieder auf die Komponenten zurückwirken, die sich nun anders ausnehmen, als sie zu Beginn gewärtigt wurden (ebd., 40). Dieses Widerspiel von Teil und Ganzem knüpft an das Prinzip des hermeneutischen Zirkels an, dass besagt, dass „wie freilich das Ganze aus dem Einzelnen verstanden wird, so doch auch das Einzelne nur aus dem Ganzen verstanden werden könne“ (Schleiermacher 1977, 329), wobei allerdings das Emergenz-Konzept weniger den sukzessiven Verstehensprozess als vielmehr den Augenblick der Transgression fokussiert, in dem das Zusammenspiel der Textelemente kulminiert...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.