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Transgressionen im Spiegel der Übersetzung

Festschrift zum 70. Geburtstag von Prof. Maria Krysztofiak-Kaszyńska

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Edited By Beate Sommerfeld, Karolina Kęsicka, Małgorzata Korycińska-Wegner and Anna Fimiak-Chwiłkowska

Die Beiträge des Bandes nähern sich dem Phänomen der Transgression im Kontext translatologischer Fragestellungen. Transgressionen werden dabei in mehrfacher Weise konzeptualisiert: als Transzendieren von Kultur- und Wissensgrenzen und Neuverhandlung kultureller Räume, als Ausreizen ästhetischer Normen, Überschreiten von Identitäten, aber auch als Grenzgänge zwischen den Gattungen und Medien. Transgressive Dimensionen werden in der Übersetzung von Dramen (Čechov, Witkacy, Corneille), Lyrik (Leśmian, Różewicz, Mayröcker) sowie in Prosatexten (Twardoch, Wagner) aufgedeckt. Medialen Grenzüberschreitungen wird in Werbetexten und in der Audiodeskription von Filmen und Gemälden nachgegangen.
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Małgorzata Jokiel - Dimensionen der Transgression in Szczepan Twardochs Morfina

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Małgorzata Jokiel, Opole

Dimensionen der Transgression in Szczepan Twardochs Morfina

Bei der Produktion und Bewertung von literarischen Werken zählen gegenwärtig weder strikte Poetik-Regeln noch die Gattungs- und Genrezugehörigkeit, die nur einen allgemeinen (insbesondere formalen und thematischen) Rahmen umreißen. Vielmehr sind Kreativität, Individualität und Originalität gefragt, denn gerade die Überschreitung gilt als Regel. Die Translation von literarischen Werken bedeutet nicht nur eine Durchbrechung der Sprachgrenzen, sondern zieht eine Reihe von Transformationen nach sich. Denn in jeder Kultur existieren bestimmte spezifische (auch wenn oft nur ungeschriebene) literarische Konventionen, die sich teilweise aus der Tradition der Nationalliteratur und der Geschichte einer jeden sprachlichen Gemeinschaft ergeben und teilweise auf die Beschaffenheit der jeweiligen Sprache zurückzuführen sind-mit all ihren Möglichkeiten und Einschränkungen. Hinzu kommen historische Erfahrungen jeder Nation und das damit zusammenhängende kollektive Gedächtnis, die in einer bestimmten Perspektive auf geschichtliche Ereignisse resultieren.

Seitdem also das Originelle zu einer Regel geworden ist, hat es eigentlich wenig Sinn, literarische Grenzüberschreitungen als Brüche mit Gattungs- bzw. Poetik-Regeln zu bemängeln. Stattdessen wird das Augenmerk von Literaturrezipienten (Lesern, Kritikern, Literaturwissenschaftlern und nicht zuletzt Übersetzern) auf die individuelle Ästhetik des jeweiligen Autors bzw. eines konkreten Werks verlagert, die einen Wert an sich darstellen kann. In der postmodernen Zeit ist die künstlerische Freiheit dezidiert in den Mittelpunkt gerückt. Brigitte Schultze spricht sogar von einer für die Literatur der zweiten Hälfte des...

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