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Erinnerung sichtbar machen

Braunschweiger Vorträge zur Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands 2009/2010

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Edited By Matthias Steinbach and Michael Ploenus

Der Band versammelt die Beiträge der Vortragsreihe Geteilte Erinnerungen – deutsche Geschichten, die im Wintersemester 2009/2010 an der TU Braunschweig stattfand. Sie spürt jenen deutsch-deutschen Geschichten nach, die sich im Schatten der Mauer zugetragen haben und sich – wie deren Splitter – verstreuen und verflüchtigen. Selbst harte politisch-militärische Grenzen wie der römische Limes, die chinesische Mauer oder Europas Eiserner Vorhang unterliegen am Ende dem Naturgesetz des Wandels – von einer trennenden Demarkationslinie und Angstzone hin zu einem verbindenden Kulturraum. Allerdings, und insofern stimmt das mit dem Naturgesetz nur bedingt, geschieht derlei nie von selbst. Man muss die Dinge anfassen und die Frage nach den Geschichten dahinter stellen. Es ist an uns, sie zu erzählen, wieder und wieder.
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„Aufatmen und sich zur Ordnung rufen“ – Gegenläufigkeiten und Angleichungserfahrungen im deutschen Universitätsleben vor und nach 1989/90

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„Die Weltgeschichte mit ihren großen Ereignissen kommt nicht daher gefahren wie ein Eisenbahnzug in gleichmäßiger Geschwindigkeit. Nein, es geht ruckweis vorwärts, aber dann mit unwiderstehlicher Gewalt. Man soll nur immer darauf achten, ob man den Herrgott durch die Weltgeschichte schreiten sieht, dann zuspringen und sich an seines Mantels Zipfel klammern, daß man mit fortgerissen wird, so weit es gehen soll“1.

So hat der sprachmächtigste deutsche Regierungschef der fünf deutschen Staaten des letzten und vorletzten Jahrhunderts, Otto von Bismarck, in einem Brief an den Superintendenten Max Vorberg seine Kernerfahrung mit den Bewegungsgesetzen der Geschichte zusammengefasst. Wir werden auch in Anbetracht unseres Themas „Einigung“, zwar dem ruckweisen Vorangehen zustimmen können, wir werden aber Schwierigkeiten haben, uns zuzumuten, den Gott durch die Geschichte schreiten zu sehen und uns dann an ihn zu klammern. Was wir aber können, ist uns der Geschichte zuzuwenden und damit Reflektionsräume zu öffnen, die uns vielleicht einige kleine Zusammenhangsfäden über das, was früher geschehen ist, greifen lassen. Wir wissen von Max Weber, dass der Strom des unermesslichen Geschehens sich endlos der Ewigkeit entgegenwälzt. Wir haben immer nur die Möglichkeit, kleine Fäden daraus zu ergreifen und dann vielleicht im vorsichtig-kontrollierten Zusammenknüpfen dieser Fäden ein begrenztes Vorstellungsbild zustande zu bringen.

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