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Versorgungsbedarf, Angebot und Inanspruchnahme ambulanter hausärztlicher Leistungen im kleinräumigen regionalen Vergleich

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Anke Schliwen

Die Sicherstellung einer flächendeckenden, wohnortnahen und bedarfsgerechten Versorgung ist ein zentrales Anliegen der deutschen Gesundheitspolitik. Anke Schliwen untersucht den regionalen Zusammenhang von Versorgungsbedarf, Angebot und Inanspruchnahme hausärztlicher Leistungen. Dabei wird der Versorgungsbedarf anhand eines multifaktoriellen Index auf der kleinräumigen Ebene der Mittelbereiche operationalisiert. Eine Clusteranalyse ermöglicht die Identifikation von Regionstypen, deren Eigenschaften Ansatzpunkte für eine Neuordnung der Ressourcenallokation bieten können. Mit ihrem Buch unterstreicht die Autorin die Notwendigkeit, innerhalb zentraler Rahmenbedingungen den Einsatz regionaler Planungs- und Steuerungsinstrumente zur Verteilung von ärztlichen Kapazitäten zu ermöglichen.
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3 Versorgungsbedarf

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Die Begriffe „Bedarfsgerechtigkeit“ und „Bedarfsorientierung“ werden im Kontext der Versorgungsplanung und der Allokation von Ressourcen seit jeher von Politikern, Interessenvertretern, aber auch von Wissenschaftlern häufig als unanfechtbare Zielgröße genannt, mit der Planung und Verteilung gerechtfertigt und Ausgabensteigerungen begründet werden (vgl. Gründger 1973). Bei der vermeintlich chronischen Ressourcenknappheit im Gesundheitswesen wird der Bedarfsbegriff in der politischen Diskussion oft verwendet, um Ansprüche an das Gesundheitssystem zu vergleichen und ggf. zu priorisieren (vgl. Sheaff 1996). Dabei ist der Gedanke einer bedarfsgerechten Versorgung aber zunächst von dem einer wirtschaftlichen Versorgung zu trennen. Das Argument der Ausgabenrechtfertigung greift erst dann, wenn bedarfsgerechte Leistungen auch effizient erbracht werden.13

Angenommen, dass der Bedarf als einziger Faktor gewählt wird, um Versorgungsleistungen zu planen oder ihre Angemessenheit zu bewerten, so greifen zwei Gerechtigkeitsprinzipien: für einen gleichen Bedarf soll die gleiche Gesundheitsversorgung zur Verfügung stehen (=horizontale Gerechtigkeit) und bei höherem Bedarf besteht ein Anspruch auf mehr Versorgungsleistungen (=vertikale Gerechtigkeit) (vgl. Culyer 2001). Der egalitäre Grundsatz, dass die Gesundheitsversorgung in gleichwertiger Form allen Versicherten zur Verfügung steht und dass gleichzeitig eine gleichwertige Verteilung von Ressourcen in Abhängigkeit vom Bedarf besteht (vgl. Miller 1976), ist mit dem gesellschaftlich etablierten Solidaritätsprinzip des deutschen Gesundheitssystems vereinbar.

Die Bedarfsorientierung der Versorgungslandschaft erscheint aus Gerechtigkeitsgesichtspunkten zunächst schlüssig und wird in fast allen Gesundheitsreformen der letzten 10 Jahre als Argument verwendet. Dabei wird allerdings weder in der Gesetzgebung, wie in den Krankenhausgesetzen14 oder im f...

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