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Die Göttinger Hegel-Schule

Julius Binder, Karl Larenz, Martin Busse, Gerhard Dulckeit und der juristische Neuhegelianismus in den 1930er-Jahren

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Jakob Schirmer

Anfang der 1930er-Jahre bildete sich in Göttingen das Zentrum des juristischen Neuhegelianismus heraus. Der Rechtsphilosoph Julius Binder und seine Schüler Karl Larenz, Martin Busse und Gerhard Dulckeit prägten als sog. Göttinger Schule in den folgenden Jahren durch zahlreiche Publikationen den rechtsphilosophischen neuhegelianischen Diskurs. Sie agierten im geistigen Klima der Ablehnung der Weimarer Republik und propagierten nach der ‚Machtergreifung‘ die aufkommende Herrschaft des Nationalsozialismus zunächst als eine Art Synthesis aus dem untergegangenen Kaiserreich und der überwundenen Weimarer Republik. Relativ rasch verebbte dieser Impetus und ist bis heute relativ undurchsichtig. Dieses Buch zeichnet die Existenz der Göttinger Schule aus der rechtshistorischen Perspektive nach und eröffnet einen Einblick in das Denken ihrer Angehörigen. Die Auswertung zahlreicher Briefe illustriert die persönlichen Gedanken Binders und seiner Schüler.
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Kapitel 1: Umrisse der Göttinger Schule

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Der philosophische Neuhegelianer Theodor Haering sprach im Wintersemester 1938/39 in seinem Vortrag Hegels Lehre von Staat und Recht, Ihre Entwicklung und ihre Bedeutung für die Gegenwart von „lehrreichen, gerade in den letzten Jahren erschienenen juristischen und rechtsphilosophischen Abhandlungen und Werken“, er nenne dabei „nur die Namen Binder, Dulckeit, Larenz, Schönfeld“.149 Zweifellos sind die vier Genannten und darüber hinaus auch Busse, die populärsten Vertreter der neuhegelianischen Rechtsphilosophie am Vorabend und in den ersten Jahren des „Dritten Reiches“. Larenz (Jahrgang 1903) promovierte im Jahr 1927 bei Binder (Jahrgang 1870) in Göttingen. Dulckeit (Jahrgang 1904) und Busse (Jahrgang 1906) promovierten im Jahr 1931 ebenfalls bei Binder in Göttingen. Schönfeld (Jahrgang 1888) stand ohne akademische Verknüpfung mit den Göttinger Neuhegelianern abseits der Binder-Schule und rechnete sich auch selbst nicht dazu. So schrieb er im Jahr 1937 davon, dass er „der Göttinger Schule immer wieder mündlich und schriftlich die Notwendigkeit der ‚dialektischen Jurisprudenz‘ vor Augen geführt“ habe und bezog sich dabei ganz offensichtlich nicht selbst mit ein.150 Gleichwohl bestanden vielfältige Wechselbezüge zwischen Binder, seinen Schülern und Schönfeld, auf die im Verlaufe der Arbeit einzugehen ist.

Fraglich ist, ob über Larenz, Busse und Dulckeit hinaus weitere Binder-Schüler als Angehörige der neuhegelianischen Göttinger Schule bezeichnet werden könnten. Die „Binder-Schule“ im Sinne einer bloßen Binder-Schülerschaft war naturgemäß größer als die neuhegelianische Göttinger Schule im engeren Sinne. Dikoff nannte im...

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