Show Less
Restricted access

Die Organhaftung der Aktiengesellschaft bei fehlerhafter Rechtseinschätzung

Grundlage und Bewältigung von Legalitätspflichtverstößen im Kontext unternehmerischer Entscheidungen unter Unsicherheit

Series:

Weusthoff

Der Autor untersucht den Kontext und die Bewältigung von Rechtseinschätzungen in der täglichen Entscheidungspraxis von Vorständen. Er beschäftigt sich mit der rechtlichen Verortung von Verstößen sowie – auch unter vergleichenden Betrachtungen ins Strafrecht – mit den Möglichkeiten zur Haftungsvermeidung auf Grundlage der sogenannten ARAG-Garmenbeck-Rechtsprechung, der ISION-Rechtsprechung und der im Schrifttum vermehrt geforderten sogenannten Legal Judgment Rule.
Show Summary Details
Restricted access

D. Einleitung

Extract

D.  Einleitung

Die Haftung von Gesellschaftsorganen für pflichtwidriges Verhalten ist spätestens seit dem Schadensersatzprozess des ehemaligen Deutsche Bank-Vorstandes Rolf Breuer wegen seiner öffentlichen Infragestellung der Kreditwürdigkeit des Medienunternehmers Leo Kirch, die dessen baldige Insolvenz zur Folge hatte, in das breite Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Verbrachte die Inanspruchnahme von Organen durch das Unternehmen selbst bis in die frühen 1990er Jahre noch Nischendasein, so ist spätestens seit dem Kollaps der Investment-Bank Lehman Brothers und der mit ihr einhergehenden Finanz- und Wirtschaftskrise auch der öffentliche Ruf nach einer verschärften Haftung der „Manager da oben“ zur breiten gesellschaftlichen Forderung aufgestiegen. Wegen dieser gesellschaftlichen Brisanz aber auch seiner rechtlichen Komplexität wurde das Thema der Organhaftung als zentrales Thema des Deutschen Juristentages 2014 behandelt1, und dabei Wege zur rechtlichen Handhabung der Haftung sowie ihrer Anforderungen in der Zukunft kontrovers erörtert.

Innerhalb des Komplexes der Organhaftung gewinnt die Pflicht der Unternehmensführer das Unternehmen entsprechend gesetzlicher Regularien zu führen und Rechtsverstöße nicht nur im Nachhinein aufzuklären, sondern sie bereits im Vorfeld zu vermeiden, eine immer gewichtigere Rolle ein. So wurden in der jüngeren Vergangenheit beispielsweise Unternehmen wie die Deutsche Bank, Siemens oder Thyssen Krupp nicht nur medienwirksam durch Strafverfolgungsbehörden durchsucht und strafrechtlich verfolgt. Die einst so wahrgenommene Beißhemmung der Justiz gegen führende Persönlichkeiten der Wirtschaft ist einer regen Inanspruchnahme der Justiz durch Ersatzzahlungen im Zivilrecht oder aber auch Strafverfolgung durch Staatsanwaltschaften gewichen. Nicht zuletzt seit...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.