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Recht und Rechtssprache in Korea und Deutschland

Probleme bei der Übertragung juristischer Texte aus übersetzungswissenschaftlicher Sicht unter besonderer Berücksichtigung des Ehe- und Familienrechts

Young-Ju Youn

Im Rahmen der Globalisierung gewinnen Verflechtungen und die Zusammenarbeit zwischen den Staaten immer mehr an Bedeutung. Die Autorin untersucht für die Interaktionen zwischen Korea und Deutschland, wie Rechtstexte gerichts- und notarfest zu übersetzen sind. Neben unternehmerischen Fragen betrifft dies das Arbeits- und Sozialversicherungsrecht sowie das Ehe- und Familienrecht. Dieses Buch präsentiert ein Kompendium aller übersetzungswissenschaftlichen und juristischen Ansätze zum Komplex Rechtssprache sowie deren Übersetzung für das Sprachenpaar Koreanisch/Deutsch samt einer kritischen Auseinandersetzung. Es thematisiert Theorie und Praxis von Rechtssprache und Rechtsvergleichung bei divergierenden Sprach- und Rechtssystemen und hilft Juristen wie Übersetzern, die in deutsch-koreanischen Beziehungen involviert sind.
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2 Rechtssprache(n) und deren Übersetzung

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2   Rechtssprache(n) und deren Übersetzung

2.1   Recht und Sprache

Wie ERIKSEN in seinem Beitrag beim 12th European Symposium on language for Special Purposes „Von der Wiege bis zur Bahre – Formulare, Formulare“59 vortrefflich zum Ausdruck brachte, ist die juristische Sprache tief und untrennbar in unseren Alltag eingebettet. Der Jurist braucht die Sprache „wie der Zahnarzt den Bohrer“.60 Entgegen einem in der Öffentlichkeit gern gepflegten Vorurteil hat es unter Juristen öfter Meister der Sprache von hohen Graden gegeben. Viele bekannte Schriftsteller oder gar Dichterfürsten Deutschlands wie GOETHE oder KAFKA haben Jura studiert (als Volljuristen). Jacob GRIMM war Verfasser der grundlegenden „Deutschen Grammatik“ und schrieb „von der Poesie im Recht“.61 Heute ist u. a. Jura-Professor SCHLINK als Romanautor erfolgreich. In Korea ist dies nicht anders. SUNG Suk-je, dessen Erzählungen auch ins Deutsche übersetzt wurden,62 hat beispielsweise Jura studiert. Und doch wird – seit es schriftlich fixiertes Recht gibt – häufig beklagt, die Sprache der Juristen sei kaum verständlich.63

Rechtssprache muss nicht zuletzt infolge des Rechtsstaatsprinzips, insb. der Vorhersehbarkeit und Berechenbarkeit staatlichen Handelns, eine möglichst präzise und unmissverständliche Darstellung von Sachverhalten sowie deren Regelungen beinhalten. Das macht sie kompliziert. Probleme bereiten aber auch geschichtlich gewachsene Termini und Darstellungen aus germanischer und römischer Tradition in Deutschland und entsprechende Gegebenheiten aus der langen Tradition des spezifischen Familienrechts auf Basis der jahrhundertealten Rechtskultur in Korea. Letztere wird überlagert von aufgezwungenen (Japanische Besatzung/Annektion) und freiwilligen Rezeptionen und Assimilationen an ‚westliche‘ Rechtsvorstellungen...

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