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Astrologie in der Europäischen Religionsgeschichte

Kontinuität und Diskontinuität

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Gustav-Adolf Schoener

Diese religionswissenschaftliche Untersuchung verfolgt die europäische Tradition der Astrologie von ihren orientalischen Anfängen bis in die Gegenwart. Als ein Sammelbegriff unterschiedlicher auf den Kosmos bezogener Lehren und Praktiken ist die Astrologie einerseits ein in sich konsistentes kulturelles Phänomen. Andererseits scheint es, dass sie mit der Überwindung des geozentrischen Weltbildes durch Kopernikus und Kepler ihre Begründung verloren hat und nur als «intellektuelle Regression» (Theodor W. Adorno) weiterhin bestehen kann. Dieser Auffassung steht die hier begründete These entgegen, dass die Astrologie den Wechsel der Weltbilder unbeschadet überleben konnte, weil die Begründungsmuster jenseits der rein naturwissenschaftlichen Perspektiven liegen. So hat sich die Astrologie als moderne individualisierte Religiosität auch in westlichen Gesellschaften etabliert.
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1. Die Struktur der Astrologie I – Kontinuität und Diskontinuität der Lehre von der Entsprechung von Kosmos und Mensch

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1.   Die Struktur der Astrologie I – Kontinuität und Diskontinuität der Lehre von der Entsprechung von Kosmos und Mensch

Wie stellt sich die Annahme, die Astrologie sei an das geozentrische Weltbild gebunden, für die moderne Astrologie dar? Moderne Astrologen wehren sich entschieden – wie zu vermuten ist – gegen die Reduktion der Astrologie auf ein geozentrisches Weltbild. Für das Problem, wie dann der Wirkungszusammenhang zwischen Gestirnen und Menschen zu erklären sei, liefern sie entweder spirituelle Begründungen aus dem Umfeld theosophischer Lehren, oder sie verzichten meistens auf geschlossene Theorien und verweisen auf eine Analogie der symbolischen Formen, wie sie in den antiken Mythologien angelegt sind. Physikalische Theorien werden – soweit die Lage überschaubar ist – seit Beginn des 20. Jahrhunderts kaum mehr vertreten. Noch Ende des 19. Jahrhunderts gab es vielfach Überlegungen, ob die Astrologie über einen im Kosmos wirkenden Magnetismus erklärt werden könne.103 Und auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden besonders im deutschsprachigen Raum noch einige Hypothesen aufgestellt, die den Zusammenhang zwischen Gestirnen und menschlichem Leben auf elektromagnetische und andere physikalische Kräfte zurückführen wollten.104 Alle diese auf naturwissenschaftliche Erklärun ← 49 | 50 → gen abzielenden Theorien konnten nicht überzeugen, weil es weder empirisch noch theoretisch hinreichend Gründe gab, diese Hypothesen in absehbarer Zeit wissenschaftlich zu belegen. Allein die Fernwirkung der äußeren Planeten auf das persönliche Schicksal eines einzelnen Menschen lässt solche Hypothesen im Horizont des Wissensbestandes der Naturwissenschaften als höchst unwahrscheinlich erscheinen, und so verzichten die meisten...

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