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Astrologie in der Europäischen Religionsgeschichte

Kontinuität und Diskontinuität

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Gustav-Adolf Schoener

Diese religionswissenschaftliche Untersuchung verfolgt die europäische Tradition der Astrologie von ihren orientalischen Anfängen bis in die Gegenwart. Als ein Sammelbegriff unterschiedlicher auf den Kosmos bezogener Lehren und Praktiken ist die Astrologie einerseits ein in sich konsistentes kulturelles Phänomen. Andererseits scheint es, dass sie mit der Überwindung des geozentrischen Weltbildes durch Kopernikus und Kepler ihre Begründung verloren hat und nur als «intellektuelle Regression» (Theodor W. Adorno) weiterhin bestehen kann. Dieser Auffassung steht die hier begründete These entgegen, dass die Astrologie den Wechsel der Weltbilder unbeschadet überleben konnte, weil die Begründungsmuster jenseits der rein naturwissenschaftlichen Perspektiven liegen. So hat sich die Astrologie als moderne individualisierte Religiosität auch in westlichen Gesellschaften etabliert.
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3. Die Struktur der Astrologie II – Kontinuität und Diskontinuität der Lehre von der Göttlichkeit der Gestirne

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3.   Die Struktur der Astrologie II – Kontinuität und Diskontinuität der Lehre von der Göttlichkeit der Gestirne

Wie die bisherigen Ausführungen gezeigt haben, ist die Astrologie hinsichtlich ihrer religionswissenschaftlichen Typisierung wesentlich durch zwei Strukturelemente gekennzeichnet: die Göttlichkeit der Gestirne und die analoge Entsprechung von Kosmos und Mensch/Natur. Beide Strukturelemente sind ineinander verschränkt. Im Folgenden soll nun die Göttlichkeit der Gestirne bezüglich ihrer unterschiedlichen Ausprägungen im Rahmen astrologischer Lehren dargestellt und auf ihre gemeinsame Struktur hin untersucht werden. Da die Astrologie in der Zeit der griechischen und römischen Antike ihre intellektuelle, reflektierte Ausprägung erhält, setzen hier auch, über die mythischen Beschreibungen der Gestirne hinaus, religionsphilosophische und theologische Reflexionen ein, die somit die religiösen Grundlagen der Astrologie modifizieren. Das anthropomorphe, polytheistische Kosmosbild verschiebt sich nun hin zu einer Perspektive, die intelligible und vitale Prinzipien annimmt, die den Gestirnen innewohnen. Mythische Beschreibungen des Kosmos werden damit nicht abgelöst, sondern durch die Beschreibung solcher Prinzipien ergänzt. Damit ist in Bezug auf die Göttlichkeit der Gestirne ein Perspektivenwechsel möglich, der sich bis in die moderne Astrologie zeigt. Allerdings markiert diese Verschiebung der Perspektiven keinen eindeutigen Bruch in der Astrologiegeschichte. Mythologische Perspektiven wechseln mit religionsphilosophischen und auch theologischen, aber so, dass nicht nur in den antiken astrologischen Lehren, sondern auch in den modernen Formen von Astrologie mythologische neben religionsphilosophischen und theologischen Perspektiven bestehen. Oft vertritt ein Verfasser mehrere Perspektiven gleichzeitig. Bei allem Perspektivenwechsel bleibt die Grundstruktur der Astrologie...

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