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Rekonstruktionen interkultureller Kompetenz

Ein Beitrag zur Theoriebildung

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Nadine Stahlberg

Interkulturelle Kompetenz ist anerkanntermaßen ein komplexes Konstrukt. Dies führt zu Schwierigkeiten in der Theoriebildung. Es existieren zwar einige Modelle, die versuchen, das Konstrukt abzubilden; diese basieren aber zumeist allein auf theoretischen Überlegungen. Versuche der empirischen Untermauerung finden sich nur unzureichend. Empirische Verfahren zur Erfassung interkultureller Kompetenz wiederum sind zum Teil problematisch, da sie – oftmals quantitativ ausgerichtet – wesentliche Gütekriterien nicht erfüllen. Die Untersuchung reagiert auf beide Desiderata: In Abgrenzung zu den gängigen quantitativen Verfahren rekonstruiert sie die interkulturelle Kompetenz von internationalen Studierenden auf der Grundlage von qualitativen Interviews. Die Studie erprobt hiermit einen neuen Ansatz für die Beschreibung interkultureller Kompetenz. Grundlage der Rekonstruktionen ist ein eigenes Modell, das, wie die Autorin anhand vieler Beispiele belegt, in all seinen Komponenten empirisch abgesichert ist.
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5. Erfassung vs. Rekonstruktion interkultureller Kompetenz

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Zentral in diesem Kapitel ist die viel diskutierte Frage, inwiefern sich interkulturelle Kompetenz erfassen lässt. Die Meinungen darüber, ob wertende Aussagen zur interkulturellen Kompetenz von Individuen getroffen werden können, gehen in der Forschung weit auseinander. Während auf der einen Seite versucht wird, interkulturelle Kompetenz quantitativ zu erfassen, werfen Straub et al. (2007: 6) die Frage auf, ob interkulturelle Kompetenz überhaupt ein „metrisierbares Konstrukt“ sei. Auch in der Fremdsprachendidaktik herrscht keine grundsätzliche Einigkeit darüber, ob die Erfassung interkulturellen Lernens bzw. interkultureller Kompetenzen eher abgelehnt oder als notwendiges Element betrachtet werden soll. Einerseits wird der Druck immer größer, u. a. durch die Zielsetzung, Bildungsstandards festzulegen, d. h. für jedes Fach evaluierbare Ziele in Form von kompetenzorientierten Anforderungskatalogen festzulegen (vgl. Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister 2006), andererseits lässt sich auch ein Trend erkennen, interkulturelle Kompetenz als nicht messbar zu betrachten. Insbesondere gegenüber der Erfassung affektiver Elemente ist der Vorbehalt groß (u. a. Zarate et al. 2004). Im Rahmen der Delphi-Studie Deardorffs stimmen die befragten Experten zwar darin überein, dass interkulturelle Kompetenz bewertet werden könne, als mögliche Verfahren werden jedoch viele qualitative Ansätze wie u. a. Fallstudien, Interviews, qualitative Messungen, Analyse narrativer Tagebücher oder Beobachtungen genannt (vgl. Deardorff 2006: 31f.).

Wie der Forschungsdiskurs aufzeigt, stellen sich nicht nur in Anbetracht der Komplexität des Konstrukts große Herausforderungen. Jedes bis dato hervorgebrachte Verfahren, das das Abbilden unterschiedlicher Niveaus interkultureller Kompetenz anstrebt, muss sich in...

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