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Machtspiele

Katachresen der gerechten Herrschaft im modernen Geschichtsdrama

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Tomislav Zelić

Dieses Buch untersucht eine Auswahl von poetischen Geschichtsdramen aus der Geschichte der modernen deutschsprachigen Literatur vom frühen 19. bis zum späten 20. Jahrhundert unter dem Gesichtspunkt des Machtspiels. Dabei analysiert der Autor die subjektiven, objektiven und absoluten Ironien, die Katachresen der gerechten Macht und Herrschaft sowie die logischen Paradoxien der absoluten Souveränität.
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1. Einleitung

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Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks wurde das Ende des Kalten Kriges und der Beginn eine neuen Weltordnung verkündet. Nach der Wende von 1989/90 gingen manche davon aus, der moderne Nationalstaat könne seine exponierte Stellung angesichts der Globalisierung und verstärkten internationalen Zusammenarbeit und Reglementierung allmählich verlieren. In der Tat sind die innere und äußere Souveränität des traditionellen Nationalstaates zwar angesichts der politischen und wirtschaftlichen Wechselabhängigkeiten in der Weltgesellschaft geschwächt. Dennoch sind heute angesichts der anhaltenden Dauerkrisen mehr denn je Zweifel angebracht, ob wir tatsächlich in einer „postnationalen“3 geschweige denn ‚postsouveränen‘4 Weltordnung angekommen sind. Die politische Kultur hat die Partikularismen und Idiosynkrasien der nationalen Identität, Tradition und Geschichte nicht überwunden, ja es ist fraglich, ob dies erstrebenswert ist. Unter der Annahme, nation-building meine die Errichtung der repräsentativen parlamentarischen Demokratie, der rechtsstaatlichen Macht und Herrschaft und der freien und sozialen Marktwirtschaft sowie der Zivilgesellschaft, setzen all diese Errungenschaften nationalstaatliche Souveränität allererst voraus.5 Seit der Jahrtausendewende büßten die Problematik der nationalstaatlichen Souveränität und die Grundfrage nach Liberalismus, Republikanismus oder Totalitarismus ihre Aktualität, Relevanz und Brisanz keineswegs ein. So äußerte der italienische Philosoph Giorgio Agamben (geb. 1942) Befürchtungen, dass „die verfassungsmäßige Diktatur zum herrschenden Paradigma des Regierens wird“, während Bürgerrechte schwinden und die Macht der Regierung ← 11 | 12 → wächst.6 Die Macht des Parlaments in der repräsentativen Demokratie sei durch Zersetzung bedroht, sobald die Regierung als...

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