Show Less
Restricted access

Machtspiele

Katachresen der gerechten Herrschaft im modernen Geschichtsdrama

Series:

Tomislav Zelić

Dieses Buch untersucht eine Auswahl von poetischen Geschichtsdramen aus der Geschichte der modernen deutschsprachigen Literatur vom frühen 19. bis zum späten 20. Jahrhundert unter dem Gesichtspunkt des Machtspiels. Dabei analysiert der Autor die subjektiven, objektiven und absoluten Ironien, die Katachresen der gerechten Macht und Herrschaft sowie die logischen Paradoxien der absoluten Souveränität.
Show Summary Details
Restricted access

5. Die Wiedergänger der absoluten Souveränität

Extract



Christian Dietrich Grabbe: Napoleon oder die hundert Tage

Christian Dietrich Grabbe (1801–1836) verfasste das poetische Geschichtsdrama Napoleon oder die hundert Tage (1831 entstanden, 1895 uraufgeführt)270 über den zweiten kometenhaften Auf- und Abstieg des ebenso kleinen wie großen Mannes aus Korsika unter dem Eindruck der Julirevolution 1830. In dem relativ kurzen Zeitraum von hundert Tagen kehrt der kaiserliche Wiedergänger aus dem Exil in Elba nach Paris zurück und greift ein letztes Mal nach der Macht, bevor der Wiener Kongress ihn endgültig ins Exil nach St. Helena verbannt. Das bombastisches Meisterwerk, das mit mehr als 180 Sprechrollen die raumzeitliche Begrenztheit der zeitgenössischen Theaterbühne sprengt, ist trotz der Zentralität der titelgebenden Hauptfigur nicht nur ein Charakterdrama sondern auch ein breit angelegtes Epochendrama über die krisenhafte Umbruchzeit der Französischen Revolution von 1789–1830. Der poeta doctus zeichnet über die ersten drei Akte ein breites Gesellschaftspanorama, in dem keine der unterschiedlichen politischen Kräfte, die miteinander wettstreiten, Macht und Herrschaft über Staat, Volk und Territorium erlangt. Konterrevolutionäre Kräfte wie der konservative Royalismus und Aristokratismus sowie revolutionäre und ultrarevolutionäre Kräfte, das radikale Jakobinertum oder der liberale Konstitutionalismus konkurrieren mit dem napoleonischen Kaisertum. Grabbe inszeniert das ironische Machtspiel um absolute Souveränität als Jahrmarkt der Wiedergänger, auf dem er verschiedene Staats- und Regierungsformen aus der Vergangenheit teils chronologisch und teils anachronistisch gespensterhaft wiederauferstehen und Revue passieren lässt. Die Herrschergeschlechter von Bourbon und Orléans...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.