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Machtspiele

Katachresen der gerechten Herrschaft im modernen Geschichtsdrama

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Tomislav Zelić

Dieses Buch untersucht eine Auswahl von poetischen Geschichtsdramen aus der Geschichte der modernen deutschsprachigen Literatur vom frühen 19. bis zum späten 20. Jahrhundert unter dem Gesichtspunkt des Machtspiels. Dabei analysiert der Autor die subjektiven, objektiven und absoluten Ironien, die Katachresen der gerechten Macht und Herrschaft sowie die logischen Paradoxien der absoluten Souveränität.
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10. Die Katachresen der sozialen und sexuellen Revolution

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Peter Weiss: Marat/Sade

Das poetische Geschichtsdrama in zwei Akten mit dem überlangen Titel Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn des Sade,582 abgekürzt Marat/Sade (1963 entstanden, 1964 uraufgeführt) von Peter Weiss (1916–1982) behandelt nicht nur die geschichtlichen Ereignisse der Französischen Revolution von 1789 bis 1808 und insbesondere den Umgang mit politischen Gefangenen, die in der neuenstandenen gesellschaftlichen Einrichtung der psychiatrischen Klinik als Geisteskranke behandelt werden, sondern es beinhaltet auch ein Spiel im Spiel. Das Zusammenspiel zwischen geschichtlichem Wirklichkeitsgbezug und theatergeschichtlichem Selbstbezug steigert die Eigenkomplexität des Stückes.

Das poetische Geschichtsdrama eröffnet das ideologiepolitische Spannungsfeld zwischen Revolution und Restauration in Bezug auf die Französischen Revolution und das Napoleonische Zeitalter 1789–1808, die Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1965 sowie die jeweilige Gegenwart, in der das Stück zur Aufführung kommt. Greift man auf die in der Forschung oft untersuchte, dreifache Verschachtelung der drei Einheiten von Raum, Zeit und Handlung auf, so lässt sich die chronotopologische und allegorische „Polykontexturalität“583 ideologiekritisch diskutieren. So verbindet das Stück die restaurative Epoche der napoleonischen Kaiserherrschaft mit der restaurativen Epoche der Adenauerzeit in Westdeutschland und kontrastiert beide Epochen mit den politischen Idealen der Französischen Revolution. Wie Habermas in seiner Rezension der Uraufführung im Jahre 1964 bemerkt, weckt diese Dramaturgie der Verdrängung unangenehme geschichtliche Erinnerungen. Diese wurden laut Weiss, wie Jürgen Habermas...

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