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Text und Performanz

Eine Didaktik des Gebets im islamischen Religionsunterricht zwischen Normativität und Spiritualität

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Jörg Ballnus

Das Buch bietet den Entwurf einer Didaktik des Gebets im islamischen Religionsunterricht. Der Autor geht der Frage nach, wie ein derart zentraler Begriff wie der des Gebets an Schärfe und Kontur gewinnen kann, wenn er Gegenstand des islamischen Religionsunterrichts wird. Wo verlaufen die Grenzen in einem Unterrichtsfach, welches zwar eine res mixtae zwischen Staat und Religionsgemeinschaft ist, bezüglich des religiösen Klimas im Klassenzimmer vor dem Hintergrund des Überwältigungsverbots jedoch besondere Bedingungen an die Unterrichtenden stellt? Muslimische Schülerinnen und Schüler kommen mit heterogenen lebensweltlichen Bezügen in die Schule. All die normative Vielfalt will dann mithilfe geeigneter didaktischer Mittel in die unterrichtliche Ebene übersetzt sein. Letztlich kann ein sich all dieser Fragen bewusster islamischer Religionsunterricht seinen Anteil dazu leisten, das Gebet zwischen normativen und spirituellen Ansprüchen erfahr- und vor allem auch reflektierbar zu machen.
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5. Kapitel: Das Gebet im islamischen Religionsunterricht – Performativität als Chance

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5.1 Grundlagen

Wie bisher dargelegt worden ist, beschreibt das muslimische Pflichtgebet eine unbedingte Eigenschaft muslimischer Frömmigkeit aus den jeweiligen Perspektiven der Quellen sowie dem Ergebnis der Normenfindung unter Rückgriff auf die Quellen, wie wir sie anhand der in dieser Arbeit vorgestellten Werken der fiqh-Literatur vorfinden. Demzufolge muss das Gebet Bestandteil jeglicher muslimischer religiöser Sozialisation sein. Folgen wir hier der religionspädagogischen Lernorttheorie483, finden wir vor allem in den Familien eine Form religiöser Nachahmung durch die direkte Einflussnahme der Erziehenden auf ihre Kinder und gleichsam eine Transmission von Religiosität. Um die Sprache des fiqh zu verwenden, haben wir es hier mit einer natürlichen Form des taqlīd zu tun. Hierbei erfährt das Kind seine Eltern als unmittelbare Veranstalter von Religion im Kontext der Privatheit der Familie. Hierbei wird das Kind durch gelegentliche Besuche in Moscheegemeinden beeinflusst, die eine zweite Stufe des natürlichen taqlīd484 beinhaltet, da hier andere weitere Erfahrungen aus dem kollektiven Erleben religiöser Praxis gewonnen werden können.

Doch wie sieht es in der Realität des gelebten Glaubensvollzugs der Muslime in Deutschland aus? Unterscheiden wir uns von unseren abrahamischen Nachbarn? Warum? Wenn ja müssen wir den Ursachen nachgehen und Rückschlüsse auf ← 137 | 138 → die entsprechenden Methoden im islamischen Religionsunterricht folgen lassen. Nehmen wir das knappe Drittel, das laut Bertelsmann-Religionsmonitor485 regelmäßig am Vollzug des fünfmaligen Gebets Teilhabe hat, stellen sich zunächst Fragen nach der Zielsetzung religionspädagogischen Handelns...

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