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Gefährdungsvorsatz im modernen Strafrecht

Zugleich unzeitgemäße Überlegungen über die Wiederbelebung des Gefährdungsstrafrechts in der Sicherheitsgesellschaft

Series:

Chun-Wei Chen

Während sich die Risikogesellschaft zu einer Sicherheitsgesellschaft wandelt, entsteht im modernen Strafrecht ein Paradigmenwechsel, wonach das Risiko- zum Gefährdungsstrafrecht eskaliert. Der Autor analysiert die vielfältigen Hintergründe und kommt zu dem Ergebnis, dass der Kern und die Lösung der Legitimationskrise des modernen Gefährdungsstrafrechts die Begrifflichkeit des Gefährdungsvorsatzes ist. Hierzu setzt er sich mit der jahrzehntelangen Dogmengeschichte des Gefährdungsvorsatzes auseinander, die bereits zahlreiche dogmatische Erkenntnisse hervorgebracht hat. Demgemäß rekonstruiert er das Wesen des Gefährdungsvorsatzes, das sich auf die Risikoethik gründet, die mit dem Schuldprinzip und der Perspektive der Freiheit verbunden ist.
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6. Kapitel: Dogmengeschichte der Selbstständigkeit des Gefährdungsvorsatzes

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A. Gefährdungsvorsatz als eine selbstständige Erscheinungsform des Vorsatzes

Während die oben angeführten Meinungsgruppen die Position des Gefährdungsvorsatzes im eigenen Bereich von Vorsatz oder Fahrlässigkeit finden, unternehmen die anderen Meinungsgruppen dagegen den Versuch, ihm eine eigene Position im Strafrecht zu geben. Allerdings erscheinen die früheren Ansichten vor dem Ende des 2. Weltkrieges die Selbstständigkeit des Gefährdungsvorsatzes etwas zögernd und zum Teil nur bezüglich einzelnen bestimmten gesetzlichen Gefährdungstatbestands zu billigen. Demgegenüber suchen die Ansichten der Nachkriegszeit (einschließlich der Rechtsprechung) für die Selbstständigkeit des Gefährdungsvorsatzes angesichts der zunehmenden Anzahl und Eigenständigkeit der Gefährdungstatbestände nach einer möglichen eigenständigen Definition.

I. Frühere Ansichten über die Selbstständigkeit des Gefährdungsvorsatzes

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