Show Less
Restricted access

Gefährdungsvorsatz im modernen Strafrecht

Zugleich unzeitgemäße Überlegungen über die Wiederbelebung des Gefährdungsstrafrechts in der Sicherheitsgesellschaft

Series:

Chun-Wei Chen

Während sich die Risikogesellschaft zu einer Sicherheitsgesellschaft wandelt, entsteht im modernen Strafrecht ein Paradigmenwechsel, wonach das Risiko- zum Gefährdungsstrafrecht eskaliert. Der Autor analysiert die vielfältigen Hintergründe und kommt zu dem Ergebnis, dass der Kern und die Lösung der Legitimationskrise des modernen Gefährdungsstrafrechts die Begrifflichkeit des Gefährdungsvorsatzes ist. Hierzu setzt er sich mit der jahrzehntelangen Dogmengeschichte des Gefährdungsvorsatzes auseinander, die bereits zahlreiche dogmatische Erkenntnisse hervorgebracht hat. Demgemäß rekonstruiert er das Wesen des Gefährdungsvorsatzes, das sich auf die Risikoethik gründet, die mit dem Schuldprinzip und der Perspektive der Freiheit verbunden ist.
Show Summary Details
Restricted access

Schlussfolgerung

Extract



A. Das moderne Gefährdungsstrafrecht: Alter Wein in neuen Schläuchen

Das Gefährdungsstrafrecht gehört zum Teil des modernen Strafrechts. Es ist kein Risikostrafrecht und hat sich vielmehr zum Instrument des Sicherheitsstrafrechts gewandelt. Es ist schließlich ein Produkt des Gefahrenabwehrrechts, welches unter den bestimmten Bedingungen der gesellschaftlichen Modernität entsteht.

Das moderne Gefährdungsstrafrecht entsteht daher vor den Hintergründen der Sicherheitsgesellschaft und des Steuerungsstaates, welche gemeinsam Sicherheit anstreben. Ihr Mittel zur Sicherheit ist der Rekommunitarisierungsprozess, wonach die Gesellschaft und der Staat eine die Sicherheit gewährleistende Gemeinschaft aufbauen können. Der moderne Mensch ist in der Sicherheitsgesellschaft nicht nur stets eine rationale Person, sondern kann auch eine potenzielle Gefahrenquelle für die Sicherheit der Gemeinschaft sein. Um gegen die eigene potenzielle Gefahr vorzugehen, muss der moderne Mensch zulassen, dass seine Individualität verdrängt wird. Die Individualisierung ist seit jeher überwiegend gesellschaftlich zu verstehen und zeigt sich hier als ein notwendiger Ansatz zur Funktionalisierung gesellschaftlicher Ordnung. Demnach wird der moderne Mensch, obwohl er ein Individuum ist, durch die Vergesellschaftung entindividualisiert.1942

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.