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Sprache und Bild in der indischen Bildungstradition

Petra Vogler

Die Autorin problematisiert die in der Moderne aufgekommene Dichotomie zwischen Sprache und Bild. Sie öffnet den Blick auf zwei Aspekte der indischen Lehr- und Lernkultur, die in der Übermittlung von Bildung wirksam waren und sind: Das vedische Bildungswesen sowie dessen tradierte und durchaus aktuelle Korrelation mit den Tempelritualen und den darstellenden Tempelkünsten. Im Zentrum stehen die nähere Beziehung zwischen Sprachlichkeit und Bildlichkeit sowie die Sichtbarmachung der performativen Gestaltung von Bildung, wie sie heute noch erhalten sind.
«In ihrer Arbeit präsentiert Petra Vogler ein hoch filigranes Muster des Performativen, des Zusammenhangs von Sprache, Bild und Handeln, von Ritualen und ihren Formen des embodiment und erscheint damit höchst zeitgemäß und direkt anschlussfähig für aktuelle Diskurse in unterschiedlichen Wissensdisziplinen.»
Prof. Dr. Jürgen Henze (Humboldt-Universität zu Berlin).
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2 Die philosophische Interpretation der vedischen Lehre und die Bildungsrelevanz der orthodoxen Schulen der indischen Philosophie

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2  Die philosophische Interpretation der vedischen Lehre und die Bildungsrelevanz der orthodoxen Schulen der indischen Philosophie

„Philosophy is poetry, not science (A. K. Chatterjee 2011: Gespräche).“

Es besteht die Annahme, dass sich die traditionelle indische Erziehung auf Basis epistemologischer und philosophischer Traditionen des Subkontinents entwickelte.447 Die in dieser Arbeit im Zentrum der Betrachtung stehenden orthodoxen Systeme der indischen Philosophie beruhen ursprünglich auf den Veden und sind insofern interpretatorische Entfaltung ihrer gedanklichen Inhalte und Vorstellungen. Hingegen wenden die heterodoxen Systeme der indischen Philosophie sich gegen die Anerkennung der Veden als ihrer Basis.

Philosophie448 in der indischen Tradition ist darśana449 und wird zum einen beschrieben als „geistige Erkenntnis“, als „Gesamtschau, die der Seele geoffenbart ← 161 | 162 → wird“ oder auch als ein „Element der Ergänzung des Denkens“ bzw. „ein Wort, das in seiner schönen Unbestimmtheit die gesamte Vielfalt der Philosophie kennzeichnet“. Darśana ist zum anderen auch Sehen und daher stets verbunden mit dem Begriff der Erkenntnis. Das Sehen, von dem hier die Rede ist, kann zum einen intuitive Erfahrung oder „Erleuchtung der Seele“, zum anderen begriffliche Erkenntnis oder logische Forschung bedeuten. Das Wort ist daher in den frühen Entwicklungsstufen des Denkens, als die Philosophie mehr intuitiver Art war, nicht existent, wodurch auch deutlich wird, dass darśana nicht für Intuition steht, wie sehr es auch mit ihr verbunden sein mag. Es kann daher zusammenfassend die Aussage vertreten werden, dass darśana philosophisch die Intuition „unter Beweis stellt“ und diese...

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