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Das kulturelle Gedächtnis Europas im Wandel

Literatur über Shoa und Gulag

Series:

Karol Sauerland and Yvonne Pörzgen

Die Autorinnen und Autoren der Beiträge gehen davon aus, dass eine Erinnerung an die Greuel des zwanzigsten Jahrhunderts, die sowohl den Gulag als auch die Shoa umfasst, zu den Grundvoraussetzungen politischer und gesellschaftlicher Annäherung in Europa gehört. Die Texte leisten eine Zusammenschau des Schreibens über Lagererfahrung in unterschiedlichen Kulturräumen und loten das Spannungsfeld zwischen der literarischen Darstellung der Entmenschlichung und der rhetorischen Distanz der Erzähler gegenüber dem Geschehenen aus. Sie lenken darüber hinaus ihre Aufmerksamkeit auf die Art, wie das millionenfache Leid künstlerisch verarbeitet wird. Wenngleich Adornos Verdikt, nach Auschwitz verbiete sich jede Kunst über Auschwitz, immer weniger Anhänger findet, so bleibt doch die Frage, wie Literatur diesem Leid gerecht werden kann.
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Sabine Offe: Wiederholungen: „Birkenau im Dezember“ von Martín López-Vega

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Sabine Offe

Wiederholungen:

„Birkenau im Dezember“ von Martín López-Vega

Das Gedicht „Birkenau en Diciembre“ ist in deutscher Übersetzung 2013 in „Akzente“ erschienen1, der Autor, Martín López-Vega, ist, wie zu zeigen sein wird, ein poeta doctus und kennt die Traditionsbestände. Über seine Person weiß ich wenig, er lehrt in Iowa City, sei ein Wanderer „von Stadt zu Stadt, von Sprache zu Sprache“2, wie es in einem anderen seiner Gedichte heißt. Geboren wurde er 1975 im Nordwesten Spaniens, in Asturien. Im selben Jahr starb Franco. Bereits die Angaben zur geographischen Randlage seines Herkunftsorts und zur Generationszugehörigkeit markieren den Abstand, der ihn räumlich und zeitlich trennt von der Geschichte des Ortes im Titel seines Gedichts. Aber sie stellen auch, so vermute ich, biographische und thematische Beziehungen dazu her. Denn López-Vega gehört zwar einer Generation an, die die Demokratisierung seines Landes und den Anschluss an Europa erlebt hat, aber auch die anhaltenden Nachwirkungen von Bürgerkrieg und Verbrechen des Franco-Regimes, die Auseinandersetzungen mit faschistischem Terror und institutioneller und individueller Schuld, die erst in den 1990er Jahren und später einsetzten und andauern. Die späte Auseinandersetzung begründet die Dringlichkeit, mit der diese Geschichte erforscht und erzählt wird und vielleicht auch die Aufmerksamkeit für den Umgang mit den NS-Verbrechen in anderen europäischen Ländern.

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