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Das kulturelle Gedächtnis Europas im Wandel

Literatur über Shoa und Gulag

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Edited By Karol Sauerland and Yvonne Pörzgen

Die Autorinnen und Autoren der Beiträge gehen davon aus, dass eine Erinnerung an die Greuel des zwanzigsten Jahrhunderts, die sowohl den Gulag als auch die Shoa umfasst, zu den Grundvoraussetzungen politischer und gesellschaftlicher Annäherung in Europa gehört. Die Texte leisten eine Zusammenschau des Schreibens über Lagererfahrung in unterschiedlichen Kulturräumen und loten das Spannungsfeld zwischen der literarischen Darstellung der Entmenschlichung und der rhetorischen Distanz der Erzähler gegenüber dem Geschehenen aus. Sie lenken darüber hinaus ihre Aufmerksamkeit auf die Art, wie das millionenfache Leid künstlerisch verarbeitet wird. Wenngleich Adornos Verdikt, nach Auschwitz verbiete sich jede Kunst über Auschwitz, immer weniger Anhänger findet, so bleibt doch die Frage, wie Literatur diesem Leid gerecht werden kann.
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Monika Tokarzewska: Julius Margolins und Gustaw Herling-Grudzińskis frühe Berichte aus dem Gulag: Suche nach einem Diskurs zwischen Zeugnis und Literatur

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Monika Tokarzewska

Julius Margolins und Gustaw Herling-Grudzińskis frühe Berichte aus dem Gulag: Suche nach einem Diskurs zwischen Zeugnis und Literatur

1. Julius Margolin und Gustaw Herling-Grudziński als frühe Gulag-Autoren

Julius Margolins und Gustaw Herling-Grudzinskis Gulag-Erinnerungen entstanden in großer zeitlicher Nähe zueinander, unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und nicht lange nachdem die beiden Autoren das Lager und die Sowjetunion hatten verlassen können. Die beiden Texte zählen, neben den Erinnerungen von Margarete Buber-Neumann1 sowie von Alexander Weissberg-Cybulski2, zur frühen Epoche des Gulag-Schrifttums, noch vor dem Erscheinen des bahnbrechenden Gulag-Berichtes von Aleksandr Solženicyn, der in der westlichen Öffentlichkeit ein großes Echo hervorrief und sie endlich für dieses Thema sensibilisierte.3 Die Autoren der frühen Berichte stießen im Westen auf wesentlich mehr Unverständnis und nicht selten auf entschiedene Ablehnung: nicht nur ‚gläubige‘ Kommunisten hatten keine Lust, ihrer Illusionen über das ‚Vaterland der Arbeiterklasse‘ beraubt zu werden. Die westlichen Gesellschaften waren zu müde von dem gerade zu Ende gegangenen Krieg und hörten äußerst ungern von allem, was den Frieden und das Schwarzweißbild vom Faschismus und der Allianz der guten Sieger hätte stören können.

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