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Qualität familienrechtspsychologischer Gutachten: Eine empirische Analyse mit Praxiskommentaren

Christel Salewski, Stefan Stürmer, Jörn Meyer und Anne-Kathrin Meyer

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Edited By Anette Rohmann

Das Ziel dieser Untersuchung besteht darin, anhand einer repräsentativen Stichprobe festzustellen, ob und inwieweit familienrechtspsychologische Gutachten wissenschaftlichen Mindestanforderungen genügen. Zudem wird die Art und Qualität der Erfassung von Bindung analysiert. Die Stichprobe umfasst 116 Gutachten, die aus Vollerhebungen an vier Amtsgerichten stammen. Die Untersuchung zeigt, dass nur eine Minderheit der Gutachten zentrale fachliche Standards erfüllt. Ebenso wird in der überwiegenden Zahl der Gutachten nicht nachvollziehbar beschrieben, welches theoretische Konzept von Bindung der entsprechenden Diagnostik zugrunde liegt und wie Interpretationen zur Bindung der Kinder psychologisch-wissenschaftlich begründet werden.
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1 Einleitung

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1.1 Problemstellung

Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 169.833 Ehen geschieden, 136.064 minderjährige Kinder waren von der daraus resultierenden Veränderung der familiären Konstellation betroffen (Statistisches Bundesamt, 2014a). In vielen Fällen führt eine Scheidung zu gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen den Eltern darüber, wie die Sorge, der Aufenthalt und der Umgang für die gemeinsamen Kinder geregelt werden sollen. In anderen Fällen kommt es zwischen Eltern und Jugendämtern zu Auseinandersetzungen vor dem Familiengericht. Die Jugendämter in Deutschland haben allein im Jahr 2013 42.123 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen, da sie sich in einer akuten, sie gefährdenden Situation befanden (Statistisches Bundesamt, 2014b). Familiengerichte haben auf Antrag des Jugendamts nachfolgend nicht selten zu klären, ob zum Schutz des Kindes dauerhafte Einschränkungen der Elternrechte anzuordnen sind. Vor allem in strittigen Fällen beauftragen Familiengerichte psychologische Sachverständige, die die gerichtlichen Entscheidungen durch die Erstellung eines Gutachtens unterstützen sollen. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz geht in seinem am 01.06.2015 veröffentlichten Referentenentwurf davon aus, dass in FamFG-Verfahren in Deutschland jährlich insgesamt bis zu 270.000 familienrechtspsychologische Gutachten eingeholt werden (BMJV, 2015a).

Familienrechtspsychologische Gutachten liefern an vielen Familiengerichten einen unverzichtbaren Beitrag zur Entscheidungsfindung. Seit ihrer Etablierung in der Rechtspraxis sind familienrechtspsychologische Gutachten allerdings immer wieder Gegenstand kontroverser Bewertungen. Begutachtete Eltern und ihre Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte kritisieren den Begutachtungsprozess und die resultierenden Empfehlungen, Richterinnen und Richter und andere professionelle Verfahrensbeteiligte äußern Zweifel an...

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