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Qualität familienrechtspsychologischer Gutachten: Eine empirische Analyse mit Praxiskommentaren

Christel Salewski, Stefan Stürmer, Jörn Meyer und Anne-Kathrin Meyer

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Edited By Anette Rohmann

Das Ziel dieser Untersuchung besteht darin, anhand einer repräsentativen Stichprobe festzustellen, ob und inwieweit familienrechtspsychologische Gutachten wissenschaftlichen Mindestanforderungen genügen. Zudem wird die Art und Qualität der Erfassung von Bindung analysiert. Die Stichprobe umfasst 116 Gutachten, die aus Vollerhebungen an vier Amtsgerichten stammen. Die Untersuchung zeigt, dass nur eine Minderheit der Gutachten zentrale fachliche Standards erfüllt. Ebenso wird in der überwiegenden Zahl der Gutachten nicht nachvollziehbar beschrieben, welches theoretische Konzept von Bindung der entsprechenden Diagnostik zugrunde liegt und wie Interpretationen zur Bindung der Kinder psychologisch-wissenschaftlich begründet werden.
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5 Diskussion

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5.1 Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse

Die Resultate der Studie zeigen erhebliche methodische Einschränkungen der einbezogenen Gutachten in allen Schritten des diagnostischen Prozesses: In mehr als der Hälfte der Gutachten werden keine psychologischen Fragen formuliert, nur bei etwa 20 % finden sich Begründungen für die Auswahl der eingesetzten diagnostischen Verfahren, in einem Drittel erfolgt die Datenerhebung ausschließlich durch Verfahren mit fraglichen Gütekriterien (vor allem unsystematische Gespräche und Beobachtungen sowie projektive Verfahren), in weniger als einem Viertel der Gutachten werden kritische Bewertungen der psychometrischen Qualität der Erhebungsverfahren und damit der Aussagekraft der gewonnenen Daten vorgenommen. Trotzdem werden in den allermeisten Fällen weitreichende Aussagen über die diagnostizierten Personen gemacht und Prognosen abgegeben.

Die Ergebnisse der Analysen zur Qualität des dokumentierten diagnostischen Vorgehens im Allgemeinen und der Qualität der Bindungsdiagnostik im Besonderen konvergieren in mehrfacher Hinsicht und weisen auch bei der Bindungsdiagnostik auf eine Reihe von Mängeln hinsichtlich der Wissenschaftlichkeit im dokumentierten diagnostischen Prozess hin. Diese beziehen sich wiederum auf das überwiegende Fehlen psychologischer Fragen, durch die die gerichtlichen Fragestellungen des Beweisbeschlusses in mit psychologischen Mitteln bearbeitbare diagnostische Fragestellungen übersetzt wurden. Damit einhergehend ist bei dem größten Teil der Gutachten unklar, auf welche psychologisch fundierten Bindungskonzepte die Sachverständigen Bezug nahmen. Dies ist vor dem Hintergrund, dass es sich bei der Bindungstheorie um eine langjährig etablierte und einschlägige Theorie mit definierten Konzepten, Begriffen und Annahmen zu den zugrundeliegenden psychologischen Prozessen handelt, besonders augenf...

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