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Die Kriegsrechtfertigung in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr.

Vom Korinthischen Krieg bis zur Schlacht bei Chaironeia (395–338 v. Chr.)

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Thomas Bounas

Das Spektrum des Argumentierens über die Begründung und Rechtfertigung des Krieges in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr. gestaltete sich breiter und komplexer als bisher angenommen. Der Autor analysiert einschlägige historische Reden und publizistische Ausarbeitungen, die unmittelbar Bezug auf Einstellungen und Mehrheitsmeinungen der damaligen Zeit genommen haben. Neben dem formalen Recht stehen auch ethische Aspekte sowie die Frage nach dem materiellen und machtpolitischen Nutzen im Mittelpunkt. Durch eine vergleichende Analyse von Texten des Andokides, Lysias, Isokrates und Demosthenes wird eine systematisierende Bilanz zur konzeptionellen Klassifizierung der Kriegsrechtfertigungen gezogen.
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V. Demosthenes

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V. Demosthenes

1. Demosthenes und seine zu untersuchenden Reden

Der Redner und Politiker Demosthenes (384–322) aus dem attischen Demos Paiania zählt zu den einflussreichsten Rhetoren Athens in der zweiten Hälfte des 4. Jh. Als er sieben Jahre alt war, starb sein Vater, der wohlhabende Unternehmer Demosthenes. Gegen seine Vormünder, die sich das Vermögen seines Vaters aneigneten, musste der junge Demosthenes nach seiner Mündigkeit, d. h. nach Vollendung des 18. Lebensjahres, von 364/3 bis 362/1 schwere Prozesse führen, um Reste vom früheren Wohlstand seiner Familie zurückzugewinnen. In den erhaltenen Prozessreden wird bereits das rednerische Talent des Demosthenes evident,1 denn schon zuvor nahm er Unterricht bei Isaios, dem damals berühmten Anwalt für Erbschaftsprozesse.2 Darüber hinaus soll er die Schriften des Isokrates3 und Thukydides studiert haben und mit der Philosophie Platons vertraut gewesen sein.4 Sein rednerisches und politisches Vorbild soll allerdings der Politiker Kallistratos von Aphidnai gewesen sein.5

Demosthenes war zunächst als Logograph und vermutlich auch als Rhetoriklehrer tätig.6 Im Jahr 355/4 kommt er durch das Verfassen von Gerichtsreden mit der Politik in Berührung; auf seine logographische Tätigkeit verzichtete er aber nicht. Von diesem Zeitpunkt bis zu seinem Suizid im Jahr 3227 verfasste er eine Reihe ← 297 | 298 → öffentlicher Prozessreden und nahm aktiv an der attischen Politik teil, indem er politische Reden in der Ekklesia vortrug und in der letzten Periode seines Wirkens einige diesbezügliche...

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