Show Less
Restricted access

Die Verfahrensgestaltung der Konzerninsolvenz in Deutschland und China

Deutsche Regelungen und Erfahrungen als Vorbild

Series:

Pingliang Ge

Nach geltendem Recht gibt es weder in Deutschland noch in China ein normiertes Konzerninsolvenzrecht. Die unkoordinierte Verfahrensabwicklung in der Konzerninsolvenz führt dazu, dass der Synergie-Effekt innerhalb des Konzerns wegfällt, die konzerninternen Ressourcen und deren Werte nicht in vollem Umfang realisiert werden, und folglich die Sanierungschancen verloren gehen. Das Buch thematisiert diese Problematik und widmet sich der Verfahrensgestaltung der inländischen Konzerninsolvenz. Der Autor analysiert und kritisiert durch eine rechtsvergleichende Untersuchung nicht nur den deutschen Gesetzentwurf, sondern entwickelt auch ein Modell in Anlehnung an die deutschen Regelungen und Erfahrungen für die Verfahrensgestaltung der Konzerninsolvenz in China.
Show Summary Details
Restricted access

Kapitel 2. Das deutsche Insolvenzrecht

Extract



2.1 Die geschichtliche Entwicklung der deutschen Insolvenzordnung

Die deutsche Insolvenzordnung (InsO) wurde am 05.10.1994267 erlassen, sie trat aber erst am 01.01.1999 in Kraft. Vorher galten in Deutschland die Konkursordnung und Vergleichsordnung sowie die nur für die neuen Bundesländer geltende Gesamtvollstreckungsordnung. Die Konkursordnung wurde am 10.02.1877 ausgefertigt268 und trat am 01.10.1879 in Kraft. Die Konkursordnung regelte damals nur ein reines Liquidations- und Abwicklungsverfahren,269 was als unzureichend für das Wirtschaftsleben angesehen wurde.270 Der vom Konkursverfahren abweichende Vergleich wurde erstmals in der Vergleichsordnung vom 26.02.1935 festgelegt.271 Seitdem waren Sanierungen über den Weg der Vergleichsordnung möglich. Nach Inkrafttreten blieben die zwei Gesetze, abgesehen von arbeits- und sozialrechtlichen Neuregelungen, bis zur Entstehung der Insolvenzordnung im Wesentlichen unverändert.272 Allerdings war die Reformbedürftigkeit der beiden Gesetze inzwischen immer größer geworden, besonders groß war diese Bedürftigkeit insbesondere in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts und zwar nach der ersten Ölkrise des Jahres 1973.273 Der Begriff „Konkurs des Konkurses“274 machte damals die Runde. Seine Bedeutung lässt sich insbesondere durch die damaligen Insolvenzstatistiken verdeutlichen: Die Zahl der Vergleichsverfahren sank von 30 % in der Weimarer Zeit auf unter 1 %. Über 80 % der Verfahren wurden damals wegen Massearmut entweder nicht eröffnet oder eingestellt. Kam es zur Verteilung der Masse, betrug die Quote durchschnittlich nur zwischen 3 und 5 %.275 Im Jahr 1978 setzte der Bundesminister der Justiz eine ← 45 | 46 → unabhängige Sachverständigen-Kommission für Insolvenzrecht ein, die mit ihrem Ersten Bericht...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.