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Jahrbuch 2013/2014

Herausgegeben im Auftrag des Vorstandes von Martin Heger

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Edited By Berliner Wissenschaftliche

Mit diesem Jahrbuch informiert die gemeinnützige Gesellschaft über ihre Aufgaben und Ziele. Sie pflegt und fördert mit ihren 310 Mitgliedern die Zusammenarbeit unter den im Großraum Berlin tätigen Wissenschaftlern aller Disziplinen und Institutionen, bietet besonders dem Nachwuchs aller Fächer ein Diskussionsforum, verleiht Preise für ausgezeichnete Leistungen und greift in die hochschulpolitischen Auseinandersetzungen ein, um der Politik und der Öffentlichkeit eine bessere Meinungsbildung zu ermöglichen. Im Verlauf des Jahres werden Vorträge aus unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen angeboten.
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Stefan Noack - Von Papierkriegern und Phantasiestrategen Der politisch-militärische Zukunftsroman „1906 – Der Zusammenbruch der Alten Welt“

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Stefan Noack

Von Papierkriegern und Phantasiestrategen Der politisch-militärische Zukunftsroman „1906 – Der Zusammenbruch der Alten Welt“*

Es liegt anscheinend in der Natur des Deutschen begründet, sich nicht harmlos der Gegenwart freuen zu können, ohne zugleich sorgend des Kommenden zu denken.1

Ferdinand Grautoff

Der Literaturwissenschaftler Ignatius Frederick Clarke nennt in seinem Buch „Voices prophesying war“ 48 deutschsprachige Prosawerke, die zwischen 1888 und 1914 einen „kommenden Krieg“ imaginierten.2 Zu ihnen zählt der politisch-militärische Zukunftsroman „1906 – Der Zusammenbruch der Alten Welt“,3 den Historiker wie Oliver Janz, Herfried Münkler, Hew Strachan und Niall Ferguson in ihren Weltkriegs-Monographien als Beispiel für die Kriegsantizipation der wilhelminischen Epoche anführen.4 Obwohl das Werk in den vergangenen ← 191 | 192 → Jahren in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten untersucht wurde,5 ist über seine Entstehung, Wirkung und zeithistorische Bedeutung bislang nur wenig bekannt.

Jost Dülffer weist darauf hin, dass die meisten Schriften über den „kommenden Krieg“ nach internationalen Krisen publiziert wurden.6 „1906“ erschien im Fahrwasser der sogenannten Delcassé-Affäre. Der Journalist Stéphane Lauzanne (1874–1958) hatte unter der Überschrift „La Vérité sur l’affaire du Maroc“ (dt.: Die Wahrheit über die Marokko-Krise) im Oktober 1905 drei Leitartikel in der Zeitung „Le Matin“ veröffentlicht. In den Artikeln behauptete er, der französische Außenminister Théophile Delcassé (1852–1923) habe vier Monate zuvor im Ministerrat berichtet, dass Großbritannien im Fall eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland bereit sei,...

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