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Die Auflösung des Staates Preußen

Gerhard Dassow

Dieses Buch beschäftigt sich mit dem am 25. Februar 1947 durch den Alliierten Kontrollrat verfügten Gesetz Nr. 46 zur Auflösung des Staates Preußen. In einer vorherrschend posthumen Lesart wurde dieser Schritt als ein verspäteter und im Grunde überflüssiger Akt gewürdigt: de facto längst vollzogene Tatbestände sollten damit «der guten Ordnung halber» staats- und völkerrechtlich legalisiert werden. Der Auflösungsbeschluss der Alliierten reichte aber weit über seine vordergründig rein destruktiven Wirkungen hinaus. Der Autor argumentiert, dass dieser Beschluss mit «langem Atem» und in einem stillschweigenden Konsens mit den Deutschen den Weg für die «Vollendung der Deutschen Einheit» im Rahmen einer europäischen Lösung der historischen «Deutschen Frage» ebnete – und leitet daraus ein eindringliches Plädoyer für die Schaffung eines Bundeslandes «Brandenburg-Preußen» ab.
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1 „Finis Prussiae“: Das Kontrollratsgesetz Nr. 46 als Wendepunkt der deutschen Geschichte

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„Am 25. Februar 1947 ist dem preußischen Staat durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 der amtliche Totenschein ausgestellt worden. Dies ist nur die juristische Bestätigung eines Tatbestandes, der Tod selbst ist schon früher eingetreten. Diese sang- und klanglose Beerdigung hat ironischen Stil; Preußen wird so nebenbei verscharrt, sozusagen in einem Massengrab.“ Mit diesen Worten kommentierte „Die Welt“ in ihrer Ausgabe vom 8. März 1947 „Preußens Ende“1. Diese zeitgenössische Einschätzung und Beurteilung des Gesetzes Nr. 46 des Alliierten Kontrollrats vom 25. Februar 1947 (Kontrollratsgesetz Nr. 46) nahm – vermutlich eher ungewollt und nichtsahnend – die Tonalität vorweg, mit der die historische Forschung in den folgenden Jahrzehnten in ihrer großen Mehrheit die Auflösung des Staates Preußen durch die alliierten Siegermächte beurteilt hat. Von einem zwar spektakulären, aber rechtlich überflüssigen Akt ist in diesem Zusammenhang die Rede, dem höchstens noch symbolhafte Bedeutung zukam2, einem verspäteten juristischen Verdikt, das der geschichtlichen Entwicklung hinterher zu hinken schien3, von einem Schritt, der Preußen zu einem rein historischen Begriff habe werden lassen4, weil Preußen von diesem Tage an als Bestandteil einer toten Vergangenheit nur noch der Geschichte angehört habe5. Wenn vom Totenschein für einen längst Dahingegangenen, von einer Todeserklärung, einem symbolischen Todesstoß, von Todesurteil, Leichenschändung oder davon die Rede ist, dass ein längst Verblichener abermals exekutiert und für tot erklärt wurde, von einer feierlich vollzogenen posthumen Hinrichtung oder gar einem...

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