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Die Auflösung des Staates Preußen

Gerhard Dassow

Dieses Buch beschäftigt sich mit dem am 25. Februar 1947 durch den Alliierten Kontrollrat verfügten Gesetz Nr. 46 zur Auflösung des Staates Preußen. In einer vorherrschend posthumen Lesart wurde dieser Schritt als ein verspäteter und im Grunde überflüssiger Akt gewürdigt: de facto längst vollzogene Tatbestände sollten damit «der guten Ordnung halber» staats- und völkerrechtlich legalisiert werden. Der Auflösungsbeschluss der Alliierten reichte aber weit über seine vordergründig rein destruktiven Wirkungen hinaus. Der Autor argumentiert, dass dieser Beschluss mit «langem Atem» und in einem stillschweigenden Konsens mit den Deutschen den Weg für die «Vollendung der Deutschen Einheit» im Rahmen einer europäischen Lösung der historischen «Deutschen Frage» ebnete – und leitet daraus ein eindringliches Plädoyer für die Schaffung eines Bundeslandes «Brandenburg-Preußen» ab.
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2 Die historische Tiefendimension der „deutschen Frage“

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2.1 Die „deutsche Frage“ im Spannungsfeld zwischen deutschem Einheitsstreben und europäischen Sicherheitsbedürfnissen

Wie ein „roter Faden“ zieht sich durch die deutsche und die europäische Geschichte seit dem in der Frühen Neuzeit einsetzenden allmählichen Prozess der „Verstaatung“ Europas19 der Gegensatz zwischen dem – in sich immer auch widersprüchlichen – Wunsch der Deutschen nach nationaler Einheit unter einem gemeinsamen Verfassungsdach und dem Bedürfnis seiner Nachbarn nach Sicherheit und Stabilität im Rahmen eines europäischen Machtgleichgewichts. Dieses Gleichgewicht war aus europäisch-internationaler Sicht durch das Volk in der Mitte Europas latent immer bedroht. Die zentrale geographische Lage der „deutschen Lande“ – der politische Begriff „Deutschland“ bildete sich erst seit dem frühen 18. Jahrhundert heraus –, deren Bevölkerungszahl, Wirtschafts- und Handelspotential und der mit der wirtschaftlichen Dynamik einhergehende Rohstoffbedarf lösten schon sehr früh europäische Bedrohungsängste vor einem übermächtigen deutschen Zentralstaat und die Furcht vor einem mangels natürlicher Grenzen „grenzenlosen“ deutschen Expansionsdrang aus. Hierin ist wohl die tiefere Ursache eines bis in die heutige Zeit fortbestehenden vitalen Interesses der europäischen Nachbarn Deutschlands an einer „Mitbestimmung“ in den deutschen Angelegenheiten zu sehen. Dieses Interesse erstreckte sich nicht nur auf die Fragen der Grenzziehung und der „kritischen Größenordnung“ als den äußeren Bedingungen deutscher Staatlichkeit, sondern auch auf dessen innere Verfasstheit im Spannungsfeld zwischen einer – potentiell als friedfertig erachteten – föderativen, staatenbündlerischen Organisationsform und einem – als potentiellen Aggressor angesehenen – unitarischen Einheitsstaat. Die Deutschen ihrerseits begegneten diesen europäischen...

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