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Die Auflösung des Staates Preußen

Gerhard Dassow

Dieses Buch beschäftigt sich mit dem am 25. Februar 1947 durch den Alliierten Kontrollrat verfügten Gesetz Nr. 46 zur Auflösung des Staates Preußen. In einer vorherrschend posthumen Lesart wurde dieser Schritt als ein verspäteter und im Grunde überflüssiger Akt gewürdigt: de facto längst vollzogene Tatbestände sollten damit «der guten Ordnung halber» staats- und völkerrechtlich legalisiert werden. Der Auflösungsbeschluss der Alliierten reichte aber weit über seine vordergründig rein destruktiven Wirkungen hinaus. Der Autor argumentiert, dass dieser Beschluss mit «langem Atem» und in einem stillschweigenden Konsens mit den Deutschen den Weg für die «Vollendung der Deutschen Einheit» im Rahmen einer europäischen Lösung der historischen «Deutschen Frage» ebnete – und leitet daraus ein eindringliches Plädoyer für die Schaffung eines Bundeslandes «Brandenburg-Preußen» ab.
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3 Die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Kontrollratsgesetzes Nr. 46

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3.1 Das Preußen- und Deutschlandbild der Alliierten als Determinanten ihrer Kriegsziel- und Nachkriegsplanung

Das außerdeutsche Bild von Preußen wurde seit dessen im 17. Jahrhundert unter dem „Großen Kurfürsten“ einsetzenden Aufstieg zu einem neuen europäischen Machtfaktor dynastisch-absolutistischer Prägung von der Vorstellung einer sich zunehmend militarisierenden Gesellschaft bestimmt82. Unter dem Eindruck der Schlesischen Kriege Friedrichs II. und den damit einhergehenden erheblichen Gebietserweiterungen verfestigte sich das Bild von Preußen als einer aggressiven, expansiven und rücksichtslosen Militärmacht, wenngleich sich die preußischen Machtmechanismen und Herrschaftstechniken keineswegs besonders auffällig von denen der anderen europäischen Dynastien jener Zeit unterschieden. Wesentlich nachhaltiger wurde deshalb die außerdeutsche Wahrnehmung von Preußen durch die dort – wie auch in den anderen freiheitsbewegten „deutschen Landen“ – nach der Französischen Revolution und unter dem Eindruck der napoleonischen Kriege einsetzende Entfremdung der geistig-politischen und gesellschaftlichen Entwicklung von dem im westlichen Europa vorherrschen Aufklärungsdenken, dem Geist des Humanismus, der Emanzipation der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft und der Herausbildung des politischen Konstitutionalismus bestimmt. Diese Abkehr von den westlichen Idealen moderner Gesellschaftsentwicklung wurde in erster Linie mit Preußen in Verbindung gebracht83, das nach dem Wiener Kongress – in einem gesellschaftspolitischen Gleichklang mit Russland und Österreich – einen als reaktionär eingestuften „Sonderweg“ eingeschlagen habe, mit dem es sich vom „Normalpfad“ des europäischen Modernisierungsprozesses abgeschottet habe. Träger dieses preußischen Sonderwegs, der zu politischem und gesellschaftlichem Stillstand geführt habe, waren aus Sicht der Westeuropäer und der USA...

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