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Die Auflösung des Staates Preußen

Gerhard Dassow

Dieses Buch beschäftigt sich mit dem am 25. Februar 1947 durch den Alliierten Kontrollrat verfügten Gesetz Nr. 46 zur Auflösung des Staates Preußen. In einer vorherrschend posthumen Lesart wurde dieser Schritt als ein verspäteter und im Grunde überflüssiger Akt gewürdigt: de facto längst vollzogene Tatbestände sollten damit «der guten Ordnung halber» staats- und völkerrechtlich legalisiert werden. Der Auflösungsbeschluss der Alliierten reichte aber weit über seine vordergründig rein destruktiven Wirkungen hinaus. Der Autor argumentiert, dass dieser Beschluss mit «langem Atem» und in einem stillschweigenden Konsens mit den Deutschen den Weg für die «Vollendung der Deutschen Einheit» im Rahmen einer europäischen Lösung der historischen «Deutschen Frage» ebnete – und leitet daraus ein eindringliches Plädoyer für die Schaffung eines Bundeslandes «Brandenburg-Preußen» ab.
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5 Zusammenfassende Bewertung der alliierten und der deutschen Sicht auf die Auflösung Preußens

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Die alliierte und die deutsche Sicht auf Preußen und dessen Auflösung durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 weisen auffällige Konvergenzen auf. Das alliierte Preußenbild wird – wenn auch aus ganz unterschiedlicher Perspektive der beiden gegensätzlichen ideologischen Lager – von der Vorstellung eines gesellschaftlich rückständigen, politisch, wirtschaftlich und militärisch expansiven und aggressiven Staates bestimmt, dessen Macht auf einer unheilvollen Allianz aus ostelbischen Junkern, Schwerindustriellen (unbestimmter landsmannschaftlicher Herkunft) und deren Militärkaste gründet, die seit der Reichsgründung von 1870/71 über das gesamte Deutsche Reich herrscht. In dieser besonderen Sozialstruktur wird die ausschlaggebende Ursache für den seit dem frühen 19. Jahrhundert einsetzenden und im Laufe des Jahrhunderts immer schärfere Konturen gewinnenden deutschen Irrweg in die Moderne gesehen. Die bewusste Abkehr der nach dieser Lesart preußisch dominierten und verformten Deutschen von den aufklärerischen Ideen und Gesellschaftsentwicklungen der westeuropäisch-angelsächsischen Welt wurde insbesondere von den westlichen Mächten zunehmend als massive Bedrohung des Friedens und der Sicherheit im Rahmen einer europäischen Gleichgewichtsordnung wahrgenommen, der es Einhalt zu gebieten galt. Diese vor allen Dingen von außen- und machtpolitischen Erwägungen bestimmte „Fear of Prussia“ richtete sich deshalb in erster Linie gegen einen geographisch zu weit ausgreifenden, wirtschaftlich starken und politisch auftrumpfenden deutschen Zentralstaat in der Mitte Europas, dessen rückständige innere Verfasstheit seinem aggressiven Expansionismus Vorschub leiste. Aus russisch-sowjetischer Perspektive manifestierte sich diese Furcht vor Preußen-Deutschland vor allem in dem aus der historischen Erfahrung des 20. Jahrhunderts...

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