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Denken des Empraktischen

Konstanze Caysa and Harko Benkert

Der Band thematisiert Karl Bühlers Idee des Empraktischen, fasst sie aber zugleich weiter, indem nicht nur auf sprachlich-implizites, sondern leiblich-implizites Vollzugshandeln eingegangen wird. Im Empraktischen geht es demzufolge um leiblich-implizite Wissensformen. Das Empraktische ist ein Wissen-Haben im Tun-Können. Empraktisch wissen wir, was wir wissen, solange wir nicht danach gefragt werden. Oder anders ausgedrückt: Empraktisches Wissen ist ein Wissen, das wir solange haben, solange wir es nicht metastufig problematisieren. Selbst die Reflexionswissenschaft Philosophie, deren Tun wesentlich in der Reflexion besteht, funktioniert wie Sport, Sex, Wissenschaft und Kunst auf der Basis des Empraktischen. Der Band thematisiert demzufolge das Empraktische auf zwei Ebenen: auf der Ebene der Philosophie und auf der Ebene der Kunst.
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Petra Caysa - Auf der Suche nach dem verlorenen Grund – Karl Mannheims Umwege, eine Wissenschaft zu begründen

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Petra Caysa

Auf der Suche nach dem verlorenen Grund – Karl Mannheims Umwege, eine Wissenschaft zu begründen1

Denkformen müssen danach beurteilt werden, in welchem Maße sie menschliches Leben, menschliches Zusammenleben ermöglichen.

Karl Mannheim (1893–1947) hat mit seiner Wissenssoziologie für unser Jahrhundert Maßstäbe gesetzt. Seine Versuche, die zeitgenössischen Wissensformen kritisch zu hinterfragen, die moderne Fassung des Instruments „Ideologiekritik“ dürfte dabei sein bekanntestes Experiment sein, führten ihn auf unsicheres Terrain. Die Schwierigkeiten beim Gebrauch von Wissen schienen für ihn wesentlich darin begründet zu sein, dass die Wissenden ihr Tun selbstvergessen betrieben. In tradierten Figurationen des ausgehenden 19. Jahrhunderts hatten sich die berufenen Reflektierer vor allem in Europa gut eingerichtet. Die je unterschiedlich auslegbaren Interpretationsmonopole waren aufgeteilt, ihre Bestimmungsverhältnisse analog der hegemonialen Struktur der Gesellschaften ausgeprägt. Doch die Welt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts scherte sich einen Dreck um die eingeübten Wissensrituale, sie krachte aus den Fugen, mehrmals. Die Ereignisse zeigten einen Trend nicht zur Ermöglichung menschlichen Zusammenlebens, nicht zu dessen Erleichterung, sondern zu dessen Verunmöglichung, Zerstörung. Die Welt war bar dessen, was bisher Vernunft geheissen hatte. Es war höchste Zeit und legitim zu fragen, wo das denn geblieben war, was „vernünftig“ hätte sein können? Immerhin konnte es doch sein, dass der Welt die Gründe fehlten, vernünftig genannt zu werden und zu sein. Hatte der Lauf der...

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