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Denken des Empraktischen

Konstanze Caysa and Harko Benkert

Der Band thematisiert Karl Bühlers Idee des Empraktischen, fasst sie aber zugleich weiter, indem nicht nur auf sprachlich-implizites, sondern leiblich-implizites Vollzugshandeln eingegangen wird. Im Empraktischen geht es demzufolge um leiblich-implizite Wissensformen. Das Empraktische ist ein Wissen-Haben im Tun-Können. Empraktisch wissen wir, was wir wissen, solange wir nicht danach gefragt werden. Oder anders ausgedrückt: Empraktisches Wissen ist ein Wissen, das wir solange haben, solange wir es nicht metastufig problematisieren. Selbst die Reflexionswissenschaft Philosophie, deren Tun wesentlich in der Reflexion besteht, funktioniert wie Sport, Sex, Wissenschaft und Kunst auf der Basis des Empraktischen. Der Band thematisiert demzufolge das Empraktische auf zwei Ebenen: auf der Ebene der Philosophie und auf der Ebene der Kunst.
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Kalina Kupczyńska - Verwechselt uns vor allem nicht: Nitsch gegen Nietzsche

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Kalina Kupczyńska

Verwechselt uns vor allem nicht: Nitsch gegen Nietzsche

Hermann Nitsch, Begründer des Orgien-Mysterien-Theaters, liebt Zitate und Querverweise. Sein Theaterkonzept, das mittlerweile mehrere Bände umfasst, liest sich wie ein Patchwork, und als Patchwork ist es auch gedacht. In diesem und nicht nur in diesem Sinn ist Nitsch ein durchaus postmoderner Autor, der auf Schriften von Denkern und Dichtern vergangener Epochen selbstverständlich zurückgreift. Zu diesen Dichtern und Denkern gehört Hugo von Hofmannsthal, an dem Nitsch vor allem die mythische Dimension seiner Elektra interessierte.

Elektra, von Hofmannsthal für die Regie Max Reinhardts und die Darstellung von Gertrud Eysoldt entworfen, hat mit einer Tradition der Darstellung der Antike im Theater gebrochen, für die laut Hofmannsthal „antikisierende Banalitäten“ typisch waren und die mehr ernüchternd denn suggestiv wirkten.1 Die suggestive Kraft der Elektra von Hofmannsthal sollte durch das Entzivilisierte, Archaische der tragischen Figur von Agamemnons Tochter bewirkt werden. Als wichtige Elemente dieser Figurenzeichnung galten in der kongenialen Inszenierung von Reinhardt die Betonung ihrer Leiblichkeit (etwa im dionysischen Tanz), manisches Heraufbeschwören des Mordes und das wilde Gebaren der Elektra.2 In drei unabhängig voneinander entstandenen Reaktionen auf die Aufführung der Elektra wurde das Stück als „hysterisch“ bezeichnet (davon zweimal im durchaus positiven Sinn).3 Zu einer solchen Rezeption hat sich auch Hofmannsthal bekannt. Das neue Bild der alten Griechen, das das Skandalon um Elektra ausmachte, resultierte bei Hofmannsthal nachgewiesenermaßen aus seiner Lekt...

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