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Denken des Empraktischen

Konstanze Caysa and Harko Benkert

Der Band thematisiert Karl Bühlers Idee des Empraktischen, fasst sie aber zugleich weiter, indem nicht nur auf sprachlich-implizites, sondern leiblich-implizites Vollzugshandeln eingegangen wird. Im Empraktischen geht es demzufolge um leiblich-implizite Wissensformen. Das Empraktische ist ein Wissen-Haben im Tun-Können. Empraktisch wissen wir, was wir wissen, solange wir nicht danach gefragt werden. Oder anders ausgedrückt: Empraktisches Wissen ist ein Wissen, das wir solange haben, solange wir es nicht metastufig problematisieren. Selbst die Reflexionswissenschaft Philosophie, deren Tun wesentlich in der Reflexion besteht, funktioniert wie Sport, Sex, Wissenschaft und Kunst auf der Basis des Empraktischen. Der Band thematisiert demzufolge das Empraktische auf zwei Ebenen: auf der Ebene der Philosophie und auf der Ebene der Kunst.
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Vorwort

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Theorien des Empraktischen gibt es auch in anderen Wissenschaften, in den Kultur- und Geisteswissenschaften, aber vor allem auch in den Sprachwissenschaften. Hier soll über das Empraktische philosophiert werden und problematisiert werden, dass das Empraktische ein neues Paradigma sein könnte, um eine Philosophie der Praxis zu begründen. Im Augenblick dominieren in der Philosophie Theorien des Performativen. Wir gehen von der These aus, dass sich das Performative im Empraktischen gründet, weshalb das Empraktische als das Ursprüngliche, Authentische gegenüber dem Performativen erscheint. Wir denken, es gibt keine Performance ohne empraktische Erinnerung. Gerade für westeuropäische Kulturen ist die Höherschätzung des Performativen typisch. Dem entspricht in unserer Kultur die Dominanz des Apollinischen gegenüber dem Dionysischen, des Künstlichen gegenüber dem Natürlichen, die Dominanz des technologisch Inszenierten gegenüber dem instinktiv Vollzogenen, wie auch die Dominanz des Sehsinns gegenüber allen anderen Sinnen, was Nietzsche als Dekadenzerscheinung und Verblödung der Sinne kritisierte.

Wir wollen die Frage aufwerfen, ob sich Kulturen des Performativen im Empraktischen gründen. Die Frage ist, ob sich das Apollinische im Dionysischen gründet und unsere apollinische Zivilisation die Kultur des Dionysischen braucht, um sich zu erneuern, ob das logifizierte Denken das wilde Denken braucht, um schöpferisch zu bleiben. Wieviel Afrika brauchen wir, um moderne Europäer zu bleiben?

Der Begriff des Empraktischen wurde von Karl Bühler wiedergefunden in seiner Sprachtheorie von 1934. Er meint, dass das verkürzte Sprechen im Alltag...

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