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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.
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17. Leibhaftige Erinnerung und Gedächtnis. Die erinnerungsontologische Differenz

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Bei der Frage, welches Paradigma der Körperphilosophie zu Grunde liegen soll, das vorherrschende performative oder das sich erst theoretisch herausbildende empraktische Paradigma, geht es im innerwissenschaftlichen Diskurs darum, welchen Stellenwert Leib und Stimmungen und damit verbundene nichtdiskursive, vorprädikative Erfahrungen in einer modernen Körperanthropologie haben sollen, welche Funktion das Denken, genauer das inszenierte Nach-Denken, in den jeweiligen, je unterschiedlichen Körperreflexionsverhältnissen dieser zwei Körperkulturen, der empraktischen und der performativen Körperkultur, haben soll.

In der empraktischen Wende in der modernen Körperphilosophie handelt es sich nicht nur darum, die dem Ausdruck vorgelagerte, prä-expressive Ebene zu analysieren, sondern es geht weiterhin darum zu erfassen, wie der Körper selbst im Vollzugshandeln denkt, ohne dass er (nach-)denkt, dass es eine empraktische, körperliche Intelligenz gibt, die die Grundlage unserer theoretisch reflektierten und performativen Körperintelligenz ist, dass all unser metastufiges Körperwissen und unsere Körperinszenierungen empraktisch versenkt, einverleibt sind, dass „Begreifen“ ein Ergriffen-Werden, ein Umgriffen-Werden vom leiblichen Handlungsvollzug ist.

Das Verhältnis von Empraxis und Performativen soll nun in Bezug auf das Verhältnis von Erinnerung und Gedächtnis konkretisiert werden. Die schmerzhafte Erinnerung erweist sich in diesem Kontext nicht nur als Exempel einer leidzentrierten, sondern leibzentrierten Erinnerung, die nun zunächst abstrakt-allgemein, getrennt von Leid und Schmerz, dargestellt werden soll. Es geht uns um die Thematisierung einer existenzial-analytischen Erinnerungstheorie, die der Grund gnoseologisch-technischer Erinnerungstheorien ist.

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